Würzig und schwer: Rum aus Kuba ist gut, aber der aus Jamaika besser

Rum aus Kuba ist gut, keine Frage. Doch wenn Sie einmal wirklich viele Aromen schmecken wollen, sollten Sie den Blick nach Jamaika richten: Hier nimmt man sich für die Produktion noch viel Zeit und vertraut auf kleine, individuelle Helfer. Und getrickst wird hier auch nicht.

Würzig und schwer: Rum aus Kuba ist gut, aber der aus Jamaika besser

Rum aus Kuba ist gut, keine Frage. Doch wenn Sie einmal wirklich viele Aromen schmecken wollen, sollten Sie den Blick nach Jamaika richten: Hier nimmt man sich für die Produktion noch viel Zeit und vertraut auf kleine, individuelle Helfer. Und getrickst wird hier auch nicht.

Rum aus der Karibik ist für viele Menschen gleichbedeutend mit Rum aus Kuba. Kein Wunder: An den Tresen Havannas trank einst Ernest Hemingway seine mittlerweile legendären Daiquiris und Havana Club zählt weltweit zu den bekanntesten Rum-Marken überhaupt.

Doch wer sich ernsthaft mit Rum auseinandersetzen möchte, sollte auch einen Blick auf die anderen Karibikinseln werfen. Der Karibikstaat Haiti etwa ist bekannt für seine wilden, fruchtigen Agricole-Rums. Vor allem aber werden Abfüllungen aus Jamaika geschätzt.

Denn während Kuba besonders weichen, gut balancierten Rum herstellt, besitzt jamaikanischer Rum ein unverwechselbares eigenes Aroma. Er ist schwer und würzig im Geschmack, weshalb er ideal zum Mixen von Longdrinks und Cocktails geeignet ist.

Alles aus einer Hand

Auf Jamaika wird schon seit Jahrhunderten Zuckerrohr angebaut, das Basisprodukt zur Herstellung von Rum. Als drittgrößte unter den karibischen Inseln hat Jamaika mit fast 11.000 Quadratkilometern ausreichend Platz für Plantagen.

Das Worthy Park Estate aus der Luft
Das Worthy Park Estate mit den Zuckerrohrplantagen aus der Luft

Eine der bekanntesten Marken der Insel ist Worthy Park Estate. Das gleichnamige Anwesen im Lluidas-Tal im Landesinneren samt dazugehöriger Zuckerrohrplantagen gibt es bereits seit mehr als 350 Jahren, Rum produziert die Brennerei seit 1720. Sie feiert somit in diesem Jahr ihren 300. Geburtstag. Heute erstreckt sich Worthy Park Estate über mehr als 10.000 Hektar, auf 40 Prozent der Fläche werden 20 verschiedene Arten Zuckerrohr angebaut. 80 Prozent wird noch immer von Hand geerntet - die Brennerei ist deshalb auch der größte Arbeitgeber der Region.

Dass eine Brennerei eine eigene Zuckerfabrik und eigene Plantagen besitzt, hat in der Spirituosen-Szene Seltenheitswert. Denn die meisten Betriebe verlassen sich mittlerweile auf Rohstoffe von anderen Betrieben oder gar aus anderen Ländern. Worthy Park Estate gilt als das einzige verbliebene Haus, das zur Rum-Produktion im großen Stil 100 Prozent eigenes Zuckerrohr und die daraus entstehende Melasse verwendet. 

Ein Geheimtipp für Rum-Fans

Rum ist derzeit eine der am schnellsten wachsenden Spirituosen-Kategorien. Anfang der Sechziger dagegen war die Nachfrage so gering, dass die Worthy-Park-Brennerei zwischenzeitlich die Produktion einstellte. 2005 wurde die Brennerei jedoch aufwändig modernisiert, seitdem expandiert das Unternehmen zunehmend international.PAID Beim Frucht- Juwelier17h

Am bekanntesten sind die Produkte, die unter dem offiziellen Worthy Park Estate Label vertrieben werden. Die Reifung findet überwiegend in ehemaligen Bourbon-Fässern statt, wie es in der Rum-Welt üblich ist. Dadurch erhalten sie eine leichte Vanille-Note und einen holzigen Touch. Spannender sind die sogenannten Forsyths-Abfüllungen: Sie sind der Inbegriff des "Funky"-Rums, wie die jamaikanischen Sorten häufig verallgemeinernd beschrieben werden. Hier treffen Aromen von überreifen Früchten auf Butter, in der Nase riecht man gleichzeitig Klebstoff, Gewürze und Beeren.

Ein Preis-Leistungs-Tipp sind die Produkte mit "Rum Bar"-Label: Der weiße Overproof-Rum (63 Volumenprozent) etwa kostet nur knapp 24 Euro je Flasche und ist einer der besten Basis-Rums für einen Daiquiri. Hier treffen fruchtige Noten von Banane, auf Aromen von Vanille und Gras.  Hemingway hätte sicher seine Freude daran gehabt.

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Das Geheimnis der Ester

Auf Jamaika gibt es noch weitere namhafte Rum-Hersteller, zu den bekanntesten zählen die Hampden Distillery und Appleton. Was jamaikanischen Rum so besonders macht, ist die ausgeprägte Ester-Note.

Ester sind vereinfacht gesagt chemische Verbindungen aus einem Alkohol mit einer Säure, die in Aroma- und Duftstoffen enthalten ist. Bei dieser Verbindung wird Wasser abgespalten, welches anschließend verdunsten kann. In der karibischen Hitze geschieht dieser Prozess besonders schnell, auf Jamaika ist es das ganze Jahr über warm mit Tagestemperaturen zwischen 25 und 30 Grad Celsius.

Die Brennanlage von Worthy Park
Die Brennanlage von Worthy Park

Erzeugt werden die hohen Ester-Anteile vor allem durch die Zugabe unterschiedlicher Hefen. Während viele Massen-Hersteller auf industrielle Standard-Hefen setzen, kommen bei den hochwertigen jamaikanischen Produzenten individuelle Hefen zum Einsatz, die auch noch deutlich mehr Zeit zum Gären bekommen. Zeit und Individualität der Hefen sind in diesem Fall der Schlüssel zu mehr Aromen.

Eine Frage der Transparenz

Doch nicht nur der eigenwillige Stil macht jamaikanischen Rum so beliebt bei Fans dunkler Spirituosen, sondern auch seine Glaubwürdigkeit. Jamaika gilt neben Barbados und Martinique als eine der letzten Regionen, die Rum vollständig ohne Zuckerzusatz vertreiben.

"Mir ist Transparenz und ein authentisches Produkt sehr wichtig. Deshalb kann ich beinahe uneingeschränkt alle Rum-Sorten aus Ländern wie Jamaika oder Barbados empfehlen", sagt der Spirituosen-Experte Nicolas Kröger im Gespräch mit dem stern. "Hier werden grundsätzlich ehrliche Rums produziert. Aus Barbados kommen eher trockene, würzige und trotzdem weiche Stile. Jamaika-Rums wiederum sind sehr intensiv, gepaart mit Aromen getrockneter dunkler Früchte. Diese sind jedoch deutlich komplexer und richten sich eher an Fortgeschrittene."

Mai Tai: Prädestiniert für Jamaika-Rum

Am besten kommt ein schwerer, würziger Jamaika-Rum im Mai Tai zur Geltung. Der Name dieses Cocktails stammt vom tahitianischen Ausruf "mai tai roa ae", was so viel bedeutet wie "nicht von dieser Welt". Das soll der Legende zufolge Erfinder Vic Bergeron seinen Gästen zugerufen haben, als er den Drink 1944 zum ersten Mal servierte. Im Laufe der Zeit hat sich das Rezept jedoch gewandelt, mittlerweile wird er mit einem Hauch mehr Mandel (durch das Orgeat) und saurer getrunken. Dadurch dominiert der schwere Rum nicht mehr den Drink, sondern wird besser eingebunden, ohne an Kraft zu verlieren. Das Rezept lautet:

  • 30 ml gereifter jamaikanischer Rum
  • 30 ml Martinique Rum
  • 15 ml Curaçao
  • 10 ml Orgeat
  • 1 Barlöffel Zuckersirup
  • 25ml Limettensaft

Mit viel Crushed Eis schütteln, ins Glas geben und mit einem Minzzweig und Limette garnieren.

Nicht zu vernachlässigen ist beim Mai Tai die Wahl des Orgeat. Das ist ein Sirup mit Mandelgeschmack, der häufig mit Orangenblütenwasser oder Rosenwasser verfeinert wird. Empfehlenswert ist Bio-Orgeat von Maison Meneau für knapp zehn Euro pro Flasche.

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