Wagenknecht zu Impfpflicht: "Wer so vorgeht, muss sich über Mangel an Pflegekräften nicht wundern"

Die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht hat ihrem Unmut darüber Luft gemacht, dass über eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen debattiert werde. Stattdessen sollte man ihrer Ansicht nach eher für bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne für das Personal in Kitas und in der Pflege sorgen.

Wagenknecht zu Impfpflicht: "Wer so vorgeht, muss sich über Mangel an Pflegekräften nicht wundern"

Die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht ist bekannt dafür, die Coronapolitik der Bundesregierung scharf zu kritisieren und auch die COVID-Impfungen skeptisch zu sehen. Als sie Ende Oktober während der Talksendung Anne Will erklärte, dass sie den Coronaimpfungen aufgrund möglicher Langzeitnebenwirkungen zurückhaltend gegenüberstehe und lieber auf einen klassischen Totimpfstoff warte, erntete sie dafür massive Kritik aus den eigenen Reihen. So schrieb die innenpolitische Sprecherin des sachsen-anhaltinischen Landesverbandes der Partei Die Linke Henriette Quade beispielsweise:

"Ihre Schwurbelei gefährdet Menschen, sie braucht keine Podien, sondern Widerspruch."

Doch der Gegenwind aus der eigenen Partei scheint Wagenknecht nicht zu irritieren: In einem Facebook-Post kritisierte sie nun scharf, dass in der aktuellen Situation überhaupt über eine Impfpflicht nachgedacht werde:

"Impfen oder Kündigung? Statt für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen in der Pflege zu sorgen, den Abbau von 5.000 Intensivbetten in der Coronazeit rückgängig zu machen oder die Risikogruppen durch flächendeckendes Testen zu schützen, diskutiert die Politik nun darüber, den Druck auf bestimmte Berufsgruppen durch eine Impfpflicht auf ein Maximum zu erhöhen. Dabei ist die Impfquote in diesen Berufen bereits sehr hoch, wie Ver.di und die GEW zurecht erwidern. Nicht wenige der Mitarbeiter in Pflege und Kitas sind außerdem vermutlich bereits genesen und damit deutlich besser geschützt als Geimpfte."

Weiterhin sei das Grundproblem laut Wagenknecht doch gerade, dass die "derzeit verfügbaren Impfstoffe eben nicht davor schützen, sich zu infizieren und das Virus weiterzugeben". Je länger die Impfung zurückliege, desto mehr glichen sie darin den Ungeimpften. Eine neue schwedische Studie, die die Daten von mehr als 1,6 Millionen Menschen auswertete, käme demnach zu dem Schluss, dass bei AstraZeneca schon nach 121 Tagen und bei BioNTech nach 211 Tagen keinerlei Schutz mehr gegen eine Infektion und die Weitergabe des Virus bestünde:

"Wenn das so ist, was soll dann eine Impfpflicht bringen? Sollen die Beschäftigten dann auch gleich noch verpflichtet werden, sich alle paar Monate zu boostern? Wer so vorgeht, muss sich über den Mangel an Pflegekräften nicht wundern. Ungeimpfte Erzieher und Pfleger an den Pranger zu stellen, wird die Probleme ganz sicher nicht lösen, sondern verschärfen – auch zu Lasten des übrigen Personals. Statt die Gesellschaft weiter zu spalten, brauchen wir mehr Anerkennung, bessere Arbeitsbedingungen, Einstiegsprämien und höhere Löhne für das Personal in Kitas und in der Pflege."

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