Vierte Welle: Kampf gegen Corona: Das sind die besten Schutzmaßnahmen gegen eine Infektion

Es scheint, als habe die Impfung alle weiteren Schutzmaßnahmen in der Pandemie abgelöst. Doch das ist nicht der Fall. Laut einer internationalen Studie ist die Kombination mit altbekannten Methoden immer noch am besten.

Vierte Welle: Kampf gegen Corona: Das sind die besten Schutzmaßnahmen gegen eine Infektion

Es scheint, als habe die Impfung alle weiteren Schutzmaßnahmen in der Pandemie abgelöst. Doch das ist nicht der Fall. Laut einer internationalen Studie ist die Kombination mit altbekannten Methoden immer noch am besten.

Testen, Abstand, Masken, lüften, Hände waschen – die Hygienemaßnahmen, kurz zusammengefasst in der Formal AHA+L, sind nach anderthalb Pandemiejahren hinreichend bekannt. Seit die Impfung weiter voranschreitet, nehmen es viele damit aber nicht mehr so genau. So entfiel bereits vor Monaten die Maskenpflicht an den Schulen und auch Geimpfte und Genesene müssen sich in bestimmten Bereichen keinen Mund-Nasen-Schutz mehr hinter die Ohren schnallen. Und der von Wissenschaftler geforderte Lockdown wird von den Politikern immer noch verschmäht. Stattdessen setzt man weiter hauptsächlich auf die Impfung. All das ist mit Blick auf die dramatisch steigenden Fallzahlen problematisch, wie auch mehrere Studien zeigen.

In Israel, das in Sachen Pandemiebekämpfung zum weltweiten Vorreiter avancierte, häuften sich bereits im August vollständig geimpfte Corona-Patienten in den Krankenhäusern. Grund hierfür war, dass mit der hohen Impfquote auch die Wahrscheinlichkeit für einen Impfdurchbruch gestiegen ist. Je nach Impfstoff nimmt die Wirkung innerhalb der ersten sechs Monate aber wieder ab. Das ergab unter anderem die britische "Zoe-Covid-Studie", die die Wirkstoffe von Biontech/Pfizer und Astrazeneca verglich. Demnach fiel der Impfschutz bei Biontech nach der zweiten Dosis innerhalb der ersten fünf bis sechs Monate von 88 auf 74 Prozent. Astrazeneca wirkte nach vier bis fünf Monaten nur noch zu 67 Prozent. Für die Studie hatten die Forscher Testergebnisse von 1,2 Millionen Menschen ausgewertet, die sich zwischen Dezember 2020 und Juli 2021 hatten impfen lassen.STERN PAID 42_21 Interview Impfpflicht 14.11

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam ein Forscherteam von der Universität Umea in Schweden. Die Studie, die zunächst im Lancet als Pre-print erschien, zeigt, dass die Wirkung von Astrazeneca am schnellsten nachlässt. Am langlebigsten ist der Schutz bei dem Vakzin von Moderna. Das Paper muss allerdings noch von unabhängigen Experten geprüft werden.

Masken, impfen, Lockdown – was hilft am besten?

Dennoch zeigen die Ergebnisse: Das Risiko für eine Infektion mit dem Coronavirus steigt mit der Zeit, auch Geimpfte können das Virus übertragen, wie zuletzt eine britische Studie verdeutlichte. Eine Auffrischung ist nötig – und weitere Schutzmaßnahmen unerlässlich.

Welche am besten wirken, haben Forscher der Monash University im australischen Melbourne und der Universität in Edinburgh untersucht. Sie wollten herausfinden, welche Methoden die Inzidenzen am effektivsten drücken. Hierfür analysierten die Wissenschaftler 35 Studien verschiedener Länder, die die Wirksamkeit verschiedener Schutzmaßnahmen zuvor untersucht hatten. Unter anderem wurden die Studien mit Blick auf geltende Maskenpflichten, Lockdowns, Quarantäne, Schulschließungen und alltägliche Maßnahmen wie regelmäßiges Händewaschen und Desinfektion untersucht. Die Forscher kamen zu folgenden Ergebnissen:STERN PAID Corona Winter Update 07.56

  • Am effektivsten gelten demnach regelmäßiges Händewaschen und das Tagen von Masken. Beide Maßnahmen senken das Risiko für eine Infektion mit dem Coronavirus um jeweils 53 Prozent. Ein Mund-Nasen-Schutz reduziert die Virusübertragung um fast 30 Prozent. In Ländern, in denen eine Maskenpflicht gilt, sei die Sterblichkeit um knapp 48 Prozent geringer.
  • Wer sich regelmäßig die Hände oder genutzte Gegenstände desinfiziert, kann die Virusübertragung um bis zu 77 Prozent eindämmen.
  • Zum Einhalten von Abständen konnten die Forscher keine Aussagen machen, da die Ergebnisse der Studien stark variieren. So sank die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung des Coronavirus in den Vereinigten Staaten um 12 Prozent, in Kenia waren es 62 Prozent. Insgesamt wirke die Maßnahme positiv auf die Verbreitung des Virus.
  • Schulschließungen hatten einen starken Effekt auf die Inzidenz und die Sterblichkeit. Laut einer zitierten Langzeitstudie aus der Vereinigten Staaten sank die Inzidenz um 62 Prozent. Die Mortalität ging um 58 Prozent zurück. Zudem waren Lehrkräfte in unteren Klassenstufen einem höheren Infektionsrisiko ausgesetzt als jene in oberen Klassenstufen. Allerdings variieren die Ergebnisse. So konnte eine Studie aus Japan keine derartigen Effekte feststellen.
  • Laut den Forschern sinkt die Zahl der Neuinfektionen ebenfalls, wenn Staaten einen Lockdown verhängen. So nahm das Infektionsrisiko in verschiedenen Ländern um bis zu 14 Prozent ab. Auch die Sterberate sank – je nach Land – zwischen zwei (USA) und 60 Prozent (Italien, Spanien).
  • Über die Effekte von Reisebeschränkungen und Grenzschließungen gibt es keine eindeutigen Erkenntnisse. Während eine Studie aus Afrika zeigt, dass die Zahl der Infektionen nach der Grenzschließung stieg, verweist eine US-amerikanische Studie auf einen Rückgang um elf Prozent.

Forscher raten zu Kombination verschiedener Maßnahmen

"Die systematische Untersuchung zeigt, dass die Inzidenz durch das Tragen von Masken und Kontaktbeschränkungen massiv eingedämmt werden kann", resümieren die Studienautoren im British Medical Journal (BMJ). Auch Schulschließungen, Lockdowns und wirtschaftliche Beschränkungen seien hochgradig effektiv. Allerdings sei es wichtig, diese Maßnahmen bereits frühzeitig, wenn die Inzidenz noch niedrig ist, zu verhängen. Isolierung und Ausgangsbeschränkungen werten die Forscher ebenfalls als wirksames Mittel, um die Virusverbreitung einzudämmen. Mit Blick auf Reisebeschränkungen und Grenzschließungen räumen die Forscher allerdings ein, keine aussagekräftigen Ergebnisse liefern zu können. Der Grund ist die dürftige Studienlage.Kommentar - Warum die Maske zu früh fällt 12.37

Insgesamt schlagen die Wissenschaftler einen Mix verschiedener Maßnahmen vor, um die Pandemie wirkungsvoll zu bekämpfen. "Es ist wahrscheinlich, dass die weitere Bekämpfung der Covid-19-Pandemie nicht nur von einer hohen Durchimpfungsrate und ihrer Wirksamkeit abhängt", schreibt das Team. Auch die konsequente Umsetzung der Maßnahmen sei notwendig. Jedoch raten die Forscher dazu, dabei gesundheitliche und sozio-kulturelle Bedürfnisse der Bevölkerung zu berücksichtigen.

Zuletzt hatten Österreich, Dänemark und die Niederlande wegen der dramatischen Corona-Lage ihre Maßnahmen verschärft. So gilt in den Niederlanden seit fast einer Woche ein Lockdown für alle. Österreich hat diesen bisher nur für Ungeimpfte verhängt. Allerdings fordern immer mehr Experten eine Ausweitung auch für Geimpfte und Genesene. Zudem hat das Land die Maskenpflicht wieder verschärft, nachdem diese im Sommer gänzlich aufgehoben worden war. Auch in Rumänien, der Slowakei, Polen und der Tschechischen Republik gilt eine Maskenpflicht. In Deutschland wurde die Maskenpflicht in den vergangenen Monaten unter anderem an den Schulen aufgehoben. Auch unter bestimmten Auflagen, etwa der 3 bzw. 2G-Regelung, entfällt diese in bestimmten Bereichen.

Mit Blick auf die Forschung wird allerdings klar: Der Mund-Nasen-Schutz wird noch länger das Mittel der Wahl bleiben. Denn noch schützen die Impfungen nicht langfristig genug.