Vierte Corona-Welle: Von allem zu wenig: Weil die Politik versagt hat, müssen wir das Ruder selbst in die Hand nehmen!

Die Corona-Maßnahmen greifen zu kurz und kommen zu spät. Doch angesichts der ernsten Lage können wir es uns nicht mehr leisten, auf die Politik zu warten. Wir müssen jetzt selbst Verantwortung übernehmen, findet unsere Autorin.

Vierte Corona-Welle: Von allem zu wenig: Weil die Politik versagt hat, müssen wir das Ruder selbst in die Hand nehmen!

Die Corona-Maßnahmen greifen zu kurz und kommen zu spät. Doch angesichts der ernsten Lage können wir es uns nicht mehr leisten, auf die Politik zu warten. Wir müssen jetzt selbst Verantwortung übernehmen, findet unsere Autorin.

Es reicht noch nicht. Die Impfungen reichen nicht. Die Maßnahmen reichen nicht. Die Rücksichtnahme reicht nicht. Anders lässt sich kaum erklären, wie es schon wieder so weit kommen konnte.

Jeden Tag knacken die Infektionszahlen neue Rekorde. Mittlerweile gibt es in rund jedem vierten Landkreis noch maximal ein freies Intensivbett. Alle, deren OPs in den nächsten Wochen mit der Begründung "nicht lebensnotwendig" abgesagt werden, oder die mit einem Schlaganfall bis zur übernächsten Klinik fahren müssen, können sich dafür bei denjenigen bedanken, die sich entgegen jedem wissenschaftlichen Konsens noch immer gegen eine Impfung sträuben. Und natürlich bei den politisch Verantwortlichen.

STERN PAID Kommentar Corona-Politik 15.15

Dem RKI-Chef reicht's – zu Recht

"Es ist zehn nach Zwölf", warnte Gesundheitsminister Spahn. Recht hat er. Doch umso mehr stellt sich die Frage, wie es sein kann, dass die Politik zum vierten (!) Mal blindlings in die nächste Corona-Welle reinstolpert. Gut, beim ersten Mal hatte die Regierung noch Welpenschutz. Aber spätestens bei Welle Nummer zwei und drei hätte schneller und konsequenter gehandelt werden können, hätte man auf die Wissenschaft gehört.

Nein, die Verantwortlichen mussten es so weit kommen lassen, bis selbst dem Mann, der uns seit Pandemiebeginn nüchtern die Infektionslage erklärt, der Geduldsfaden riss. "Die Wahrnehmung, dass es reicht, ist einfach schlichtweg faktisch, wissenschaftlich fundiert falsch", polterte RKI-Chef Lothar Wieler am Donnerstag. Kurz drauf entschuldigte er sich für seine "klare Sprache", aber er könne es nach 21 Monaten einfach nicht mehr ertragen.

Klare Worte fand auch die Bundeskanzlerin bei der Vorstellung der Beschlüsse der Ministerpräsidentenkonferenz. Es sei wirklich absolute Zeit zum Handeln, betonte Merkel. Dabei sind auch sie und Spahn mitverantwortlich, denn die Zeit zum Handeln wäre bereits im Sommer, spätestens aber Ende September gewesen, als die Zahlen wieder nach oben gingen.

'Zu wenig, zu spät' bleibt Motto der Politik

Vielleicht wäre alles anders gekommen, wäre der Zeitpunkt der steigenden Kurve nicht ausgerechnet mit der Bundestagswahl zusammengefallen. Anstatt sich schon im September mit Boosterimpfungen und den verschiedenen G-Regeln auseinanderzusetzen, waren die Politikerinnen und Politiker mit Wahlkampf beschäftigt. Nun haben wir an einem der kritischsten Punkte dieser Pandemie zwei Regierungen, die das Handeln lieber der jeweils anderen überlassen.

Dabei hat die Mehrheit der Deutschen die Nase gestrichen voll von einer Politik, die bei jeder weiteren Welle bestürzt die Hände über den Kopf zusammenschlägt und beteuert, dass habe man jetzt wirklich nicht kommen sehen. So wie Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, der in der BR-Sendung "Kontrovers" behauptete, die Wissenschaft habe die Wucht der Welle falsch eingeschätzt. Um es mit Wielers Worten zu sagen, das ist schlichtweg faktisch, wissenschaftlich fundiert falsch. Das RKI prognostizierte bereits im Juli einen starken Anstieg der Inzidenzen ab Oktober. Und führende Virologen, wie Christian Drosten, empfahlen schon kurz nach Beginn der Impfkampagne, an Booster-Impfungen zu denken.

Und was machen die Ampel-Parteien? Sie beschließen das Ende der epidemischen Notlage und legen einen Gesetzentwurf vor, der mit einer bundesweiten 2G-Regelung wie mit einem rohen Ei jongliert. Nur da wo die Viruslage wirklich außer Kontrolle geraten zu drohe, sollen die Einschränkungen greifen. Selbst nachdem der RKI-Chef in den vergangenen Tagen immer wieder betont hat, dass Impflücken zu schließen, und 2G in der aktuellen Situation schlichtweg nicht mehr ausreichen, bleibt das Motto der Coronapolitik 'zu wenig, zu spät'.

MPK und der Corona-Tag Zusammenfassung 19.47

Gemeinsam ein letztes Mal vernünftig sein

Was also bleibt uns übrig, wenn die Politik wiederholt so versagt? Die Antwortet lautet: Wir müssen das Ruder selbst in die Hand nehmen und dazu beitragen, dass wir noch halbwegs glimpflich durch diese vierte Welle kommen.

Indem wir uns impfen und uns boostern lassen. Indem wir die über den Sommer vernachlässigten Hygieneregeln wieder verinnerlichen, unsere Kontakte runterschrauben und uns regelmäßig testen lassen. Indem wir Zuhause bleiben, wenn wir uns krank fühlen. Indem wir versuchen, impfskeptische Freunde, Familienmitglieder und Bekannte zur Vernunft zu bringen. 

Und nein, wir können nicht alles beeinflussen. Aber wir können das tun, was in unserer eigenen Verantwortung liegt und vernünftig handeln. Auch wenn wir müde und wütend sind und das C-Wort alle nicht mehr hören können. Wir haben keine Wahl als jetzt noch einmal die Zähne zusammenzubeißen und gemeinsam dafür zu sorgen, dass die vierte Welle die letzte Ernste sein wird.