Viele offene Stellen: Fachkräftereport – wen die Unternehmen besonders händeringend suchen

Der Fachkräftemangel ist laut DIHK schlimmer als vor der Corona-Krise. Viele Unternehmen können ihre Stellen nicht besetzen – es fehlt vor allem an Bewerbern mit dualer Berufsausbildung.

Viele offene Stellen: Fachkräftereport – wen die Unternehmen besonders händeringend suchen

Der Fachkräftemangel ist laut DIHK schlimmer als vor der Corona-Krise. Viele Unternehmen können ihre Stellen nicht besetzen – es fehlt vor allem an Bewerbern mit dualer Berufsausbildung.

Die Corona-Krise hat die Nachfrage nach Fachkräften nur kurzzeitig gebremst, nun suchen Unternehmen wieder händeringend nach Personal. Laut einem Report des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) ist der Fachkräftemangel schon jetzt gravierender als vor der Corona-Krise – und es droht noch deutlich heftiger zu werden.

Mehr als die Hälfte der 23.000 befragten Unternehmen kann laut dem DIHK-Fachkräftereport derzeit offene Stellen zumindest vorübergehend nicht besetzen. Vor einem Jahr hatte nur knapp jedes dritte Unternehmen (32 Prozent) von Personalengpässen berichtet. Vor zwei Jahren, also vor der Corona-Krise, hatten 47 Prozent der Firmen Schwierigkeiten bei der Fachkräftesuche gehabt – nun sind es 51 Prozent. "Der Fachkräftemangel in den Betrieben ist zurück: schneller und in größerem Umfang als von vielen erwartet", sagt der stellvertretende DIHK-Geschäftsführer Achim Dercks.

Besonders gravierend ist der Personalmangel in der Baubranche, wo zwei von drei Unternehmen keine passenden Arbeitskräfte finden. Ebenso händeringend suchen Gesundheits- und Sozialdienstleister wie Krankenhäuser und Arztpraxen, Kitas, Pflegeheime sowie ambulante Alten- und Pflegedienste. Und auch im Gastgewerbe haben zwei von drei Betrieben nach dem Corona-Einbruch nun Probleme neue Leute zu finden. STERN PAID 3G am Arbeitsplatz 10.36

Menschen mit Berufsausbildung fehlen

Gefragt wurde auch, welches Qualifikationsniveau die Arbeitgeber vergeblich suchen. Besonders leergegrast ist der Arbeitsmarkt demnach bei den Menschen mit Berufsausbildung. Von allen Unternehmen, die Stellen nicht besetzen können, suchten 57 Prozent Arbeitskräfte mit dualer Berufsausbildung – vor allem im Handel, aber auch in Industrie und Bau.

36 Prozent suchten zudem vergeblich Mitarbeiter mit höherer Berufsbildung wie Fachwirt oder Meister, 35 Prozent suchten Ungelernte und 32 Prozent Bewerber mit Hochschul- oder Fachhochschulabschluss. Im Zeitverlauf fällt auf, dass der Mangel an Menschen mit Berufsausbildung und ungelernten Kräften seit 2018 deutlich zugenommen hat, während er für höhere Qualifikationen sogar leicht zurückging. Lukrative Ausbildungsberufe 15.55

Fachkräftemangel nimmt zu

Für die kommenden Jahre erwartet der DIHK, dass die Engpässe bei Fachkräften weiter zunehmen werden, weil mehr Menschen in Rente gehen als junge nachkommen. Die Folgen spürten nicht nur einzelne Betriebe, sondern die Wirtschaft im Ganzen, sagt DIHK-Mann Dercks. "Fehlen beispielsweise IT-Experten, betrifft dies auch Mittelständler, die Geschäftsprozesse digitalisieren oder sich um eine bessere Cybersicherheit kümmern möchten. Fehlen Lkw-Fahrer, können industrielle Produktionsprozesse ins Stocken geraten, weil Vorprodukte nicht rechtzeitig geliefert werden, und fehlen Fachkräfte etwa zur Verlegung von Glasfaserkabeln, verlangsamt sich der dringend erforderliche Ausbau der Breitband-Infrastruktur." 

Schon jetzt sei der Fachkräftemangel eine "enorme Wachstumsbremse", die geschätzte 90 Milliarden Euro Wertschöpfung koste, also etwa 2,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Insgesamt schätzt die DIHK die Zahl der offenen Stellen auf 1,7 bis 1,8 Millionen. Der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, sprach im Oktober von 1,2 Millionen fehlenden Arbeitskräften, darunter zwei Drittel Fachkräfte. Fragen im Bewerbungsgespräch und die Antworten 12.31

Auch eine Bertelsmann-Studie hatte kürzlich ergeben, dass der Fachkräftemangel größer als erwartet sei. Zwei Drittel der befragten Entscheider in Unternehmen berichteten dort von Personalengpässen, unter anderem im Pflege- und Gesundheitssektor, bei Erziehungsberufen und im Handwerk.

Der DIHK fordert neben einer Stärkung der dualen Ausbildung auch eine erleichterte Zuwanderung im Bereich der beruflich Qualifizierten sowie Anreize für berufliche Weiterbildung. Zudem sollte die Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch gute Kinderbetreuungsangebote und flexible Arbeitsmodelle wie Teilzeit und Homeoffice verbessert werden.

Quellen: DIHK-Fachkräftereport / Bertelsmann-Studie