Todeskandidat in Oklahoma: Promis, die EU und Millionen Unterstützer wollen es verhindern: Wird Julius Jones dennoch heute sterben?

Sein Fall hat internationale Aufmerksamkeit erregt: Der 41 Jahre alte Julius Jones soll heute Nacht im US-Bundesstaat Oklahoma hingerichtet werden. Nur ein Mann kann ihn noch retten.

Todeskandidat in Oklahoma: Promis, die EU und Millionen Unterstützer wollen es verhindern: Wird Julius Jones dennoch heute sterben?

Sein Fall hat internationale Aufmerksamkeit erregt: Der 41 Jahre alte Julius Jones soll heute Nacht im US-Bundesstaat Oklahoma hingerichtet werden. Nur ein Mann kann ihn noch retten.

Julius Jones sitzt seit fast 20 Jahren wegen Mordes im Todestrakt einer Haftanstalt im US-Bundesstaat Oklahoma. Er bestreitet die Tat. Es gibt Zweifel an seiner Schuld. Millionen Menschen, darunter Filmstars und prominente Sportler, der Begnadigungsausschuss von Oklahoma und sogar die Europäische Union fordern, den mittlerweile 41-jährigen Afroamerikaner am Leben zu lassen. Dennoch soll Jones heute um 23 Uhr MEZ durch eine Giftspritze sterben. Und nur ein Mann kann seine Hinrichtung noch verhindern: Gouverneur Kevin Stitt.

Schwester des Opfer identifizierte Jones

Jones war 19 Jahre alt und gerade mit der Highschool fertig, als er in Verdacht geriet, in der Nacht des 28. Juli 1999 den 45 Jahre alten Geschäftsmann Paul Howell vor den Augen von dessen Kindern erschossen zu haben. Nur um Howells Auto zu stehlen.

Howell, seine erwachsene Schwester und seine Töchter seien gegen 21.30 Uhr in seinem 1997er Chevrolet Suburban in die Einfahrt des Hauses seiner Eltern gefahren, berichtet der US-Sender CNN unter Berufung auf Gerichtsunterlagen. Howells Schwester habe ihren Nichten gesagt, sie sollten ihre Sachen zusammensuchen und das Fahrzeug verlassen, als sie einen Schuss gehört habe. Daraufhin habe sie zurückgeblickt und einen Schwarzen gesehen, der ihrer Aussage nach Jeans, ein weißes T-Shirt, eine schwarze Mütze und ein rotes Halstuch über dem Gesicht trug. Der Schütze habe erneut gefeuert, als Howells Schwester und seine Töchter zum Haus gerannt seien. Howell sei am nächsten Morgen gegen 1:45 Uhr gestorben.STERN PAID 44_21 Unschuldig verurteilt und die Todeszelle überlebt 14.45

Zwei Tage später, am 31. Juli 1999, wurde Jones festgenommen. Zuvor hatten die Ermittler die in ein rotes Halstuch eingewickelte Mordwaffe im Haus seiner Familie gefunden, wie CNN berichtet. Jones wurde zusammen mit einem Freund von der Highschool, Christopher Jordan, vor Gericht gestellt. Dieser bekannte sich des Mordes ersten Grades und der Verschwörung zum Raub schuldig und sagte gegen seinen Mitangeklagten aus. Jordan wurde zu 30 Jahren Haft verurteilt und nach 15 Jahren aus dem Gefängnis entlassen, Jones erhielt die Todesstrafe.

Julius Jones behauptet, er sei hereingelegt worden

Jones selbst hat den Mord von Anfang an bestritten. Zuletzt erklärte er Anfang November vor dem Begnadigungsausschuss von Oklahoma, dass er zwar Kleidung, Schmuck und Elektronikgeräte gestohlen, aber niemals Gewalttaten begangen habe. "Ja, ich habe in meiner Jugend Fehler gemacht, aber ich habe Mr. Paul Howell nicht umgebracht", zitiert ihn die Nachrichtenagentur Associated Press (AP).

Jones sagte demnach auch aus, dass er an dem Abend, an dem Howell getötet wurde, mit seinen Eltern und Geschwistern zu Hause gewesen sei, was seine Familie bestätigte. Doch laut Staatsanwaltschaft soll er zuvor seinen Prozessanwälten gesagt haben, dass dies nicht stimme. "Jones hat seinen Anwälten wiederholt und unmissverständlich erklärt, dass seine Eltern sich geirrt haben und dass er in der Mordnacht nicht zu Hause war", erklärte die stellvertretende Generalstaatsanwältin Jennifer Crabb.

Crabb berichtete zudem, dass Jones ein anerkanntes Mitglied der Bloods-Gang sei und dass er im Gefängnis weiterhin kriminelle Handlungen begangen habe, einschließlich des Besitzes von Schmuggelware und der Verwendung der Pinnummern anderer Insassen für Telefonanrufe. Sie sagte auch, dass Jones in den letzten Jahren so viel Geld auf sein Häftlingskonto eingezahlt habe, dass er 18.000 Dollar an Familie und Freunde geschickt habe.Last Meals von US-Gefangenen 14.00

Jones behauptet, sein Mitangeklagter Jordan sei der eigentliche Mörder und habe ihn hereingelegt. So habe sein Highschool-Freund das Halstuch mit der Tatwaffe, dass die Ermittler auf einem Dachboden über seinem Schlafzimmer gefunden hatten, dort platziert, als er einen Tag nach dem Mord die Nacht in dem Haus verbracht habe.

DNA-Tests, die auf Antrag der Verteidigung an dem roten Halstuch durchgeführt wurden, zeigten laut einem im Juli 2020 von der Generalstaatsanwaltschaft veröffentlichten Dokument, dass die Hauptkomponente des DNA-Profils mit Jones übereinstimmte und Jordan ausschloss. Jones Verteidigung widersprach dem aber und erklärte, die Testergebnisse seien begrenzt und Jordans DNA könne nicht ausgeschlossen werden.STERN PAID Interview Todesstrafe 0855

Jones Verteidigung kritisierte auch Prozessfehler, wie CNN berichtet. So sei den Geschworenen ein Foto des Angeklagten nicht gezeigt worden, das einige Tage vor Howells Ermordung aufgenommen worden sei, und gezeigt hätte, dass die Beschreibung des Schützen gar nicht auf ihn passe. Mehrere Geschworene hätten sich gemeldet und angegeben, dass dieser Beweis den Ausgang des Falles hätte verändern können.

Zudem monierte die Verteidigung des 41-Jährigen CNN zufolge rassistische Voreingenommenheit in dem Fall. Wie aus dem Gnadengesuch hervorgehe, habe eine Geschworene ausgesagt, sie habe gehört, wie ein anderer Geschworener den Angeklagten mit dem N-Wort bezeichnet habe. Und bei Jones' Verhaftung habe ein Polizeibeamter ihn ebenfalls mit dem N-Wort tituliert. Die Generalstaatsanwaltschaft bestreitet den Vorwurf nach Angaben des Senders und wies darauf hin, dass die betroffene Geschworene das Thema während des Prozesses nicht angesprochen habe.

Kim Kardashian unterstützt Jones

Jones' Fall hat in den vergangenen Jahren große Aufmerksamkeit erregt, unter anderem durch die dreiteilige ABC-Dokumentation "The Last Defense", in der 2018 über ihn berichtet wurde. Mehr als sechs Millionen Menschen unterschrieben mittlerweile eine Petition, die Gerechtigkeit für Jones fordert, weil dieser wegen "grundlegender Mängel in dem System, das über seine Schuld entscheiden soll", in der Todeszelle sitze, darunter ineffektive und unerfahrene Verteidiger, rassistische Voreingenommenheit der Geschworenen und angebliches Fehlverhalten der Staatsanwaltschaft.

Auch der Begnadigungsausschuss von Oklahoma empfahl Gouverneur Stitt Anfang November mit 3:1 Stimmen, Jones Gnade zu gewähren und seine Strafe in lebenslange Haft mit der Möglichkeit der Bewährung umzuwandeln.

Prominente setzen sich ebenfalls seit Jahren für den Todeskandidaten ein: Realitystar Kim Kardashian West, die Schauspielerinnen Kerry Washington und Mandy Patinkin, der Footballprofi Baker Mayfield und die NBA-Stars Russell Westbrook, Blake Griffin und Trae Young forderten Stitt dazu auf, Jones' Hinrichtung abzusagen.29: Erste Hinrichtung in Oklahoma seit mehr als sechs Jahren - 7705d04c3039cb8f

Und sogar die Europäische Union richtete einen Appel an den Gouverneur: "Wir bitten Sie eindringlich, alle Ihrem Amt zustehenden Befugnisse zu nutzen, um Herrn Julius Jones Gnade zu gewähren", schrieb der EU-Botschafter in den USA, Stavros Lambrinidis, Stitt in einem Brief.

Am Tag vor der geplanten Hinrichtung von Jones nahm der Druck auf den Gouverneur noch einmal zu: Schüler an Highschools in ganz Oklahoma City verließen am Mittwoch den Unterricht, hielten vor dem Kapitol des Bundesstaates Mahnwachen ab und errichteten vor Stitts Haus Barrikaden. "Es ist eine Schande, dass es so weit gekommen ist", sagte NFL-Star Mayfield, der an der Universität von Oklahoma Football spielte, unter Tränen vor Reportern. "Hoffentlich kann Gott eingreifen und es richtig handhaben und die Dinge tun, die er tun muss."

Jones' Uhr läuft ab, doch auch wenige Stunden vor seiner geplanten Hinrichtung hat Stitt noch keine Entscheidung verkündet. Für die Hinterbliebenen des Opfers ist trotz der breiten Unterstützung für den Todeskandidaten klar: Jones soll sterben. Sie könne sich noch genau daran erinnern, wie er ihren Bruder vor den Augen seiner beiden kleinen Töchter erschossen habe, sagte Paul Howells Schwester Megan Tobey vor dem Gnadenausschuss. "Er ist heute noch derselbe Mensch wie vor 22 Jahren. Er gerät immer noch in Schwierigkeiten. Er ist immer noch in einer Gang. Er lügt immer noch. Und er empfindet immer noch keine Scham, Schuld oder Reue für seine Taten. Wir müssen Julius Jones zur Verantwortung ziehen."

Quellen: CNN, Associated Press IAssociated Press II