Taliban-Chefdiplomat fordert USA zur Freigabe des beschlagnahmten afghanischen Vermögens auf

Der Außenminister der international nicht anerkannten afghanischen Taliban-Regierung bat in einem an Washington andressierten Brief, das im August von den USA eingefrorene afghanische Vermögen freizugeben. Es gehe darum, eine humanitäre Katastrophe abzuwenden.

Taliban-Chefdiplomat fordert USA zur Freigabe des beschlagnahmten afghanischen Vermögens auf

Amir Khan Muttaki, der Außenminister der afghanischen Taliban-Regierung, hat in einem an den US-Kongress adressierten Brief die Freigabe des afghanischen Vermögens gefordert, das von der US-Regierung beschlagnahmt wurde. Das berichtet der afghanische TV-Sender TOLONews. Muttaki begründete diese Forderung damit, dass sich die Taliban und die USA seit der Unterzeichnung des Doha-Abkommens nicht mehr in einem Konflikt oder in einer militärischen Auseinandersetzung befänden. In seinem Brief erklärt er:

"Es ist ziemlich überraschend, dass die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika bei der Bekanntgabe der neuen Regierung Sanktionen gegen die Vermögenswerte unserer Zentralbank verhängt hat. Dies widerspricht sowohl unseren Erwartungen als auch dem Doha-Abkommen." 

Die derzeit größte Herausforderung für das afghanische Volk sei die finanzielle Unsicherheit. Dieses Problem gehe auf die Beschlagnahmung der Vermögen der afghanischen Regierungen durch die US-Regierung zurück.

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Muttaki schrieb, dass die international nicht anerkannte neue afghanische Regierung zwar die Bedenken der internationalen Gemeinschaft und der USA verstehe. Die Beschlagnahmung des Vermögens würde aber keine Probleme lösen:

"Wir sind der Überzeugung, dass das Einfrieren afghanischer Vermögenswerte das Problem nicht lösen kann und auch nicht die Forderung des amerikanischen Volkes ist, weshalb Ihre Regierung unser Kapital freigeben muss."

Angesichts des herannahenden Winters würden sich die Probleme in Afghanistan nur weiter verschärfen, sollten die USA das Vermögen nicht freigeben. Muttaki forderte die US-Regierung und den Kongress auf, ihre Entscheidung zu überprüfen und das Vermögen freizugeben. Dabei warnte der Taliban-Chefdiplomat auch vor potenziellen Migrationswellen:

"Wir sind besorgt, dass die afghanische Regierung und das afghanische Volk mit Problemen konfrontiert sein werden, wenn die derzeitige Situation anhält, und dass sie zu einer Ursache für Massenmigration in der Region und in der Welt werden, was zu weiteren humanitären und wirtschaftlichen Problemen in der Welt führen wird."

In seinem Brief verwies Muttaki zudem laut der türkischen Agentur Anadolu darauf, dass 2021 der 100. Jahrestag der diplomatischen Beziehungen zwischen Afghanistan und den USA ist und fügte hinzu:

"Wir sind davon überzeugt, dass die vollständige Umsetzung des Doha-Abkommens und das Engagement für dieses Abkommen ein neues Kapitel positiver Beziehungen zwischen beiden Regierungen und Völkern aufschlagen kann, was im Interesse beider Länder liegt."

Die Vereinigten Staaten hatten nach der Machtübernahme der radikal islamistischen Taliban im August Vermögen der afghanischen Regierung im Wert von über neun Milliarden US-Dollar eingefroren.

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