STIKO-Chef Mertens kündigt baldige Booster-Empfehlung für alle ab 18 an

Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (STIKO), Thomas Mertens, kündigte am Dienstag im ZDF die zeitnahe Booster-Empfehlung für alle Bürger ab dem 18. Lebensjahr an. Bislang hatte das Gremium eine Auffrischungsimpfung lediglich für Menschen ab 70 Jahren empfohlen.

STIKO-Chef Mertens kündigt baldige Booster-Empfehlung für alle ab 18 an

Am 16. November war Prof. Dr. Thomas Mertens, Mitglied der STIKO seit 2004, zu Gast in der Talksendung "Markus Lanz" im ZDF. Der Moderator konfrontierte den Gast mit folgender Anmoderation:

"Wie ist es zu erklären, beispielsweise, dass seine STIKO, sehr respektiert, die Booster-Impfung erst ab 70+ empfiehlt, die Gesundheitsminister aber für alle? Und warum kommen wir eigentlich mit dem Impfen nicht voran, von dem er sagt: Wir wissen aus der Medizingeschichte, dass es keine effektivere Maßnahme gibt als das Impfen?"

Herr Mertens resümierte gleich zu Beginn des darauffolgenden Gesprächs, dass die Gesamtsituation der Coronakrise wesentlich schlechter sei, als sie sein müsste. Dies läge vordergründig daran, dass es nicht gelungen sei, ausreichend Menschen davon zu überzeugen, dass die Impfung der einzige Ausweg aus der Pandemie war, den wir gehabt hätten. Eine ausreichende Impfquote in der Bevölkerung sei demnach nicht erreicht worden, aber weder Herr Mertens noch Herr Lanz gingen noch einmal näher darauf ein, ob und wann diese Chance denn nun verpasst worden sei.

Laut Mertens liege die bundesweite Impfquote aktuell bei 70 Prozent. Wobei – anders als noch im Sommer – jetzt eine aktuelle Quote von mindestens 90 Prozent oder "besser noch darüber" von Nöten wäre.

Spätestens im Juli 2021 sei ihm aufgrund der Ergebnisse von Modellierungen bewusst gewesen, dass der Herbst so verlaufen werde, wie es der aktuelle Stand darstelle. Die von ihm so titulierte "mobile Generation" zwischen 18 und 59 Jahren hätte bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine höhere Impfquote vorweisen müssen "um die aktuelle Welle kleiner zu halten."

Jens Spahn sei diese Entwicklung und "Problematik" eindeutig bekannt gewesen, daher habe Mertens ihn nicht explizit darauf hingewiesen. Man habe aufgrund verpasster Aktivitäten aktuell nur wenig Zeit um "die richtigen Dinge zu tun".

Der Vorwurf, dass die STIKO nur eine  Empfehlung der Booster-Impfung für über 70-Jährige ausspreche, resultiere schlicht aus der Tatsache, dass diese Bevölkerungsgruppe als erste Impfungen erhalten hätte und damit nun im Vordergrund stehen würde. 11% Prozent der über 60-Jährigen hätten bis dato eine Auffrischungsimpfung erhalten.

Mertens betonte, dass die STIKO eine Booster-Priorisierung der über 70-Jährigen eindeutig mit dem Bundesgesundheitsminister kommuniziert habe. Dieser bestand jedoch auf der aktuellen Strategie, ausgehend von den Beschlüssen der Gesundheitsministerkonferenz. Bund und Länder hatten sich bereits vorletzte Woche darüber verständigt, Auffrischungsimpfungen grundsätzlich für alle ermöglichen zu wollen. Sie sind frühestens sechs Monate nach der vollständigen Impfung vorgesehen.

Außerdem betonte der STIKO-Chef erneut, dass er unglücklich darüber sei, wenn die Impfdiskussion wieder auf die 5- bis 11-Jährigen zurückfallen würde, ausgehend von einer zeitnahen finalen Entscheidung der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA). Kinder dieser Altersgruppe würden aktuell das Gesundheitssystem nicht belasten. Die Impfquote in der Altersgruppe der dazugehörigen Eltern, sei jedoch "auf Vordermann zu bringen". Das Problem der stockenden Impfkampagne seien im Augenblick die fehlenden Kapazitäten: "Die Hausärzte sind stark gefordert im Augenblick." Seiner Ansicht nach sei es ein Fehler gewesen, die Impfzentren zu schließen.

Zum Ende des Interviews erläuterte Dr. Mertens, dass die Mitglieder der STIKO am heutigen Mittwoch "über die nächste, sozusagen die fortgeschriebene Empfehlung beraten. Und das wird nicht lange dauern, und dann wird die jetzt von Ihnen reklamierte Empfehlung auch kommen."

Markus Lanz hakte daraufhin nach, ab welchem Alter die Impfung denn nun empfohlen werde. Woraufhin Mertens erwiderte, man werde eine Empfehlung ab dem 18. Lebensjahr aussprechen.

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