Sieger der Online-Wahl: Er hat die coolste Frisur: Der Wiedehopf ist der "Vogel des Jahres"

Der Wiedehopf hat bei der Wahl zum "Vogel des Jahres" das Rennen gemacht. Mit seinem Kopfschmuck sieht er schick aus – nur sieht man diesen Vogel in Deutschland leider kaum noch.

Sieger der Online-Wahl: Er hat die coolste Frisur: Der Wiedehopf ist der "Vogel des Jahres"

Der Wiedehopf hat bei der Wahl zum "Vogel des Jahres" das Rennen gemacht. Mit seinem Kopfschmuck sieht er schick aus – nur sieht man diesen Vogel in Deutschland leider kaum noch.

Der Wiedehopf ist der "Vogel des Jahres 2022". Das gaben der Naturschutzbund Nabu und der bayerische Landesbund für Vogelschutz (LBV) am Donnerstag Mittag bekannt. Die Art wurde in einer Online-Abstimmung gekürt, die von den Naturschutzverbänden initiiert worden war und bei der jeder mitmachen konnte. Damit löst der Wiedehopf das Rotkehlchen ab, das in diesem März für das aktuelle Jahr gewählt worden war.

Den Wiedehopf kennen viele Menschen wohl noch aus dem Lied "Die Vogelhochzeit". In freier Wildbahn gesehen haben ihn wahrscheinlich die wenigsten. Zwar war die Art ursprünglich in vielen Ländern unserer Sphären zu Hause, in den vergangenen Jahrzehnten ging der Bestand in Europa laut Nabu jedoch auf nur wenige Tausend Brutpaare zurück. Um sich heimisch zu fühlen und zu überleben, braucht der Vogel offene Landschaften und ältere, angefaulte Bäume, in die er seine Bruthöhlen bauen kann. Er bevorzugt warmes Klima und erbeutet vor allem Käfer, Raupen, Engerlinge oder Schnecken. Wie viele andere Arten, wird auch er von unserer intensiven Landwirtschaft verdrängt.

Der Wiedehopf hatte schon kurz vor Ende der Abstimmung den Schnabel vorn

Die Wahl des Wiedehopfs kam nicht ganz überraschend – schon kurz vor Ende der Abstimmung hatte er einen Vorsprung gehabt, wie eine Sprecherin des Nabu dem stern sagte. Zur Wahl bei der Endausscheidung standen in diesem Jahr außerdem noch Mehlschwalbe, Steinschmätzer, Feldsperling und Bluthänfling – und damit allesamt gefährdete Arten oder, im Falle des Feldsperlings, eine Art, die am Rande der Gefährdung steht.Moore_Klima 16.28

Damit unterschied sich die aktuelle Wahl zum "Vogel des Jahres" auch von der Abstimmung davor, die ebenfalls öffentlich war und bei der auch eine ganze Reihe nicht gefährdeter heimischer Vögel zur Abstimmung stand. Zum 50. Jubiläumsjahr bei der Wahl zum "Vogel des Jahres" hatten die Initiatoren im zurückliegenden Frühjahr die breite Masse der Tierfreude einbinden wollen – was auch gelang und teils zu heftigen "Wahlkämpfen" führte. Die Stadttaube beispielsweise konnte damals eine ganze Reihe Fans um sich scharen, unterlag aber schließlich doch.

Aktion "Vogel des Jahres" soll die Lage bedrohter Arten verbessern

Mit der jetzigen Wahl kehren die Naturschutzverbände Nabu und LBV wieder mehr zur ursprünglichen Idee der Aktion zurück: 1971 fand die Kampagne erstmals statt, sie soll auf eine besondere Gefährdung der Art hinweisen und ihre Lage möglichst verbessern. Damals, vor 50 Jahren, war der erste "Preisträger" der Wanderfalke, der in den 70er Jahren hierzulande vom Aussterben bedroht war. Für die Art war es zu jener Zeit "fünf vor zwölf", wie der Nabu heute zurückblickt. Inzwischen hat sich die Lage dieser Tiere tatsächlich verbessert, der Wanderfalke gilt nach Angaben der Naturschützer in Deutschland nicht mehr als gefährdet. Offenbar auch ein Erfolg der Aktion "Vogel des Jahres".

Ein solcher Erfolg wäre auch dem Wiedehopf zu wünschen. Im "Kandidatencheck" machten die Naturschützer auf der Wahl-Seite deutlich, warum etliche Vogelarten inzwischen bei uns gefährdet sind: Mal ist es die Zerstörung von wild blühenden Flächen am Rand der Äcker, das Abholzen von Hecken, das Insektensterben, der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln oder der Trend zu Schottergärten und exotischen Pflanzen in Gärten. Brutmöglichkeiten fehlen, manche Zugvögel werden in Südeuropa oder Afrika gnadenlos gejagt. Und Schwalben leiden hierzulande beispielsweise darunter, dass moderne Architektur kaum noch Möglichkeiten zum Nisten bietet oder die Tiere sogar aktiv vergrämt werden.

Auch Allerweltsarten verschwinden – sogar der Spatz hat es schwer

Eine Studie, die in dieser Woche veröffentlicht wurde, zeigte, dass in der Europäischen Union binnen nur knapp vier Jahrzehnten rund 600 Millionen Brutvögel verschwunden sind. "Es handelt sich dabei aber kaum um imposante Großvögel, sondern um die vielen unscheinbaren Finken, Sperlinge und Lerchen, die unsere Wiesen und Felder lebendig machen", zitiert die dpa Nabu-Geschäftsführer Leif Miller. Ausgewertet wurden europaweit von mehreren Verbänden Daten im Zeitraum zwischen 1980 und 2017.

Zwar zeige sich, dass Artenprogramme und EU-Richtlinien inzwischen helfen, resümierten die Naturschützer. Sie sind jedoch alarmiert, dass inzwischen Vögel verschwinden, die wir eigentlich als selbstverständliche Gäste in unseren Gärten ansehen. Größter Verlierer war laut der Studie binnen der vergangenen 40 Jahre der Haussperling – also der Spatz.

Quellen: Nabu: Wahl zum Vogel des Jahres, Nabu, Artenporträt Wiedehopf, dpa

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