Schwarzer beim Joggen getötet: Gerichtsmediziner im Fall Ahmaud Arbery: "Jeder Schuss allein hätte ihn getötet"

Im Februar 2020 wurde der Afroamerikaner Ahmaud Arbery beim Joggen auf offener Straße von drei weißen Männern angegriffen und erschossen. Zwei von drei Kugeln trafen den 25-Jährigen, der noch am Tatort verblutete. Im Prozess sagte jetzt der Gerichtsmediziner aus.

Schwarzer beim Joggen getötet: Gerichtsmediziner im Fall Ahmaud Arbery: "Jeder Schuss allein hätte ihn getötet"

Im Februar 2020 wurde der Afroamerikaner Ahmaud Arbery beim Joggen auf offener Straße von drei weißen Männern angegriffen und erschossen. Zwei von drei Kugeln trafen den 25-Jährigen, der noch am Tatort verblutete. Im Prozess sagte jetzt der Gerichtsmediziner aus.

Seit fast zwei Wochen müssen sich vor dem Gericht in Brunswick im US-Bundesstaat Georgia drei weiße Männer wegen Mordes an dem 25-jährigen Afroamerikaner Ahmaud Arbery verantworten. Der Afroamerikaner drehte am 23. Februar 2020 eine Joggingrunde, als drei Männern mit einem Pick-up Jagd auf ihn machten und einer von ihnen mit einer Schrotflinte auf ihn feuerte.

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Am Dienstag legte die Staatsanwaltschaft ihre Beweisführung nieder, nachdem die Geschworenen die Fotos der Schrotflintenwunden gesehen hatten, die ein klaffendes Loch in Arberys Brust gerissen und Blutungen ausgelöst hatten, die sein weißes T-Shirt völlig rot verfärbten.

Gerichtsmediziner äußert sich im Prozess zu Verletzungen von Ahmaud Arbery

Die Staatsanwaltschaft hatte an acht Verhandlungstagen 23 Zeugen aufgerufen. Den Abschluss bildete, neben dem leitenden Ermittler des Georgia Bureau of Investigation, Dr. Edmund Donoghue, der staatliche Gerichtsmediziner, der die Autopsie an Arberys Leiche durchführte.

Dieser sagte vor Gericht aus, dass Arbery von zwei der drei auf ihn abgefeuerten Schrotkugeln getroffen wurde. Beide Schüsse, so sagte er, hätten dabei so starke Blutungen verursacht, dass jeder Schuss allein den 25-Jährigen getötet hätte.

Der erste Schuss aus nächster Nähe durchtrennte eine Arterie in Arberys rechtem Handgelenk und schlug ein großes Loch in die Mitte seiner Brust, brach mehrere Rippen und verursachte schwere innere Blutungen, sagte Donoghue. Der zweite Schuss verfehlte ihn völlig. Der dritte Schuss, der aus nächster Nähe abgefeuert wurde, durchtrennte eine wichtige Arterie und Vene in der Nähe seiner linken Achselhöhle und brach Knochen in seiner Schulter und seinem Oberarm.

Kleidung von Ahmaud Arbery rot vor Blut

Auf die Frage der Staatsanwältin, ob die Polizei oder der Rettungsdienst irgendetwas hätten tun können, um sein Leben am Tatort zu retten, antwortete der Mediziner: "Ich glaube nicht. Nein.“

Donoghue führte am 24. Februar 2020, dem Tag nach den tödlichen Schüssen auf Arbery, eine Autopsie durch. Die Geschworenen im Gerichtssaal bekamen am Dienstag Nahaufnahmen seiner Verletzungen zu sehen, darunter mehrere große Abschürfungen in Arberys Gesicht. Arbery taumelte nach dem dritten Schuss zu Boden und schlug mit dem Gesicht nach unten auf der Straße auf. Fotos seiner Kleidung zeigten, dass sein eigentlich weißes T-Shirt vollkommen rot und von Blut durchtränkt war.

Vor Gericht präsentierte die Staatsanwaltschaft das blutdurchtränkte T-Shirt des getöteten Ahmaud Arbery
Vor Gericht präsentierte die Staatsanwaltschaft das durchlöcherte und blutdurchtränkte T-Shirt des getöteten Ahmaud Arbery
© Stephen B. Morton

Auf die Frage des Staatsanwalts, wie Arbery in der Lage war, sich zu wehren, nachdem er durch den ersten Schuss eine so schwere Brustwunde erlitten hatte, sprach der Gerichtsmediziner von einer "Kampf- oder Fluchtreaktion", die seine Herzfrequenz und seinen Blutdruck in die Höhe trieb und Adrenalin durch seinen Körper strömen ließ.

Am Mittwoch geht der Prozess weiter mit den Plädoyers der Verteidiger.

Prozess gegen Vater und Sohn

Angeklagt sind ein Vater und sein Sohn, die sich bewaffnet hatten und den Afroamerikaner damals mit einem Pick-up verfolgten. Ein Nachbar schloss sich der Verfolgung an und nahm die Schießerei mit seinem Handy auf.  Vor Gericht plädierten die Männer auf nicht schuldig. Die Verteidigung argumentiert, die Männer hätten Arbery verfolgt, weil sie ihn für einen Einbrecher gehalten hätten. Zusätzlich zu dem strafrechtlichen Verfahren in Georgia sind die Männer auch noch wegen des mutmaßlich rassistischen Hintergrunds der Tat nach Bundesrecht angeklagt. Die Tat werde als "Hassverbrechen" eingestuft, erklärte das Justizministerium im vergangenen April.

Sehen Sie im Video: Nur wenige Wochen vor dem Tod von George Floyd heizte der Fall von Ahmaud Arbery die Rassismus-Debatte in den USA an. Der junge Afroamerikaner wurden beim Joggen von Weißen erschossen. Der stern war am Tatort.

Quellen: AP, DPA