NRW-Familienminister: "Grenze überschritten": Virologe Drosten weist FDP-Politiker Stamp auf Twitter in die Schranken

Christian Drosten hat dem FDP-Politiker Joachim Stamp auf Twitter vorgeworfen, mit einem Tweet eine "Grenze überschritten" zu haben. Der stellvertretende NRW-Ministerpräsident hatte harsch auf Kritiker reagiert.

NRW-Familienminister: "Grenze überschritten": Virologe Drosten weist FDP-Politiker Stamp auf Twitter in die Schranken

Christian Drosten hat dem FDP-Politiker Joachim Stamp auf Twitter vorgeworfen, mit einem Tweet eine "Grenze überschritten" zu haben. Der stellvertretende NRW-Ministerpräsident hatte harsch auf Kritiker reagiert.

Christian Drosten hält auf Twitter selten mit seiner Meinung hinter dem Berg. In der Diskussion um die vierte Corona-Welle und die Maßnahmen dagegen hat der Virologe nun dem FDP-Politiker Joachim Stamp einen deutlichen Ordnungsruf erteilt. Stamp ist Familienminister und stellvertretender Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen.

Ausgangspunkt der Diskussion war ein Zitat des 51-Jährigen, das die WDR-Nachrichtensendung "WDR aktuell" über Twitter verbreitet hatte: "Ich verstehe auch nicht, warum man es zugelassen hat, dass auf Intensiv so viele Plätze weggefallen sind." Stamp reagierte damit auf Vorwürfe der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin am Pandemiemanagement der Regierung in NRW.STERN PAID Booster Impfung FAQ 20.50

Christian Drosten kritisiert Tonfall von FDP-Politiker Stamp

Als einige User:innen auf Twitter darauf reagierten und insbesondere die FDP für ihre Corona-Politik in den vergangenen Monaten kritisierten, wurde der Liberale noch deutlicher: "Fakten on: Zahlen zu Infektion und Letalität in den drei FDP-mitregierten Ländern Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz und NRW ansehen und dann einfach Klappe halten", schrieb er einem Twitterer.

An dieser Stelle schaltete sich Christian Drosten, Leiter des Fachbereichs Virologie an der Charité Berlin und einer der wichtigsten Experten während der Pandemie weltweit, ein. Er richtete seine Kritik direkt an Stamp und bemängelte dessen Tonfall: "Mit dieser Tonalität wird eine Grenze überschritten, nicht nur im Dialog mit Wissenschaft und Krankenversorgung."

Stamp gibt zu: "zu rustikal" reagiert

Der FDP-Politiker mäßigte sich daraufhin: "Wir alle wissen, dass wir nur mit gemeinsamer Anstrengung durch diese schwere Phase kommen. Die Lage ist ernst. Sie sollte aber gerade deshalb nicht zum pauschalen Bashing gegen eine demokratische Partei verwandt werden." Er habe "zu rustikal" reagiert, gab Stamp in seiner Antwort auf Drostens Tweet zu.

In den vergangenen Monaten hatte sich der nordrhein-westfälische FDP-Vorsitzende immer wieder für Lockerungen der Corona-Regeln ausgesprochen. Im September sagte Stamp, er "wäre dafür, dass wir sehr schnell umstellen und zumindest im Freien auf Masken verzichten, weil wir dort so gut wie keine Ansteckungen haben". Zudem hatte der Familienminister in NRW die Quarantäneregeln für Kinder gelockert. Dem Robert Koch-Institut wirft Stamp vor, es habe falsche Prognosen zu erwarteten Fallzahlen abgegeben und die Rolle von Geimpften für das weitere Infektionsgeschehen unterschätzt.

Quellen: Christian Drosten auf Twitter / "Tagesschau" / "Express"