Nach Telefonat zwischen Erdoğan und Bennett: Freilassung von israelischem Ehepaar in Istanbul

Das Telefonat zwischen Erdoğan und Bennett war das erste öffentliche Gespräch zwischen einem israelischen Premierminister und dem türkischen Staatschef seit 2013. Erdoğan soll sich in letzter Zeit mehrfach darum bemüht haben, den neuen israelischen Premier zu kontaktieren.

Nach Telefonat zwischen Erdoğan und Bennett: Freilassung von israelischem Ehepaar in Istanbul

Der israelische Premierminister Naftali Bennett bedanke sich nach Angaben der israelischen Medien am Donnerstag beim türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan für seine Bemühungen um die Freilassung des israelischen Ehepaars Natalie und Mordi Oknin aus der Haft in Istanbul.

In dem Telefonat der beiden Politiker lobte Bennett die Gesprächskanäle zwischen Israel und der Türkei, die er "effizient und diskret in Krisenzeiten" nannte, berichtet die Times of Israel. In einem anderen Telefongespräch mit dem israelischen Staatspräsidenten Isaac Herzog sagte der türkische Präsident, dass "Meinungsverschiedenheiten minimiert werden können, wenn mit gegenseitigem Verständnis gehandelt wird".

Mossad-Chef David Barnea sprach zudem mit seinem türkischen Amtskollegen und erklärte, dass Mordi und Natalie Oknin entgegen der Anschuldigung der türkischen Staatsanwaltschaft keine israelischen Spione seien und nichts mit dem israelischen Geheimdienst zu tun hätten. Das Ehepaar wurde letzte Woche unter Spionageverdacht in Istanbul festgenommen. Sie wurden verdächtigt, "sensible Informationen" gesammelt zu haben, als sie mit einem türkischen Staatsangehörigen die Residenz von Präsident Erdoğan vom Istanbuler Çamlıca-Fernsehturm aus fotografiert haben sollen. Ein Mitarbeiter des Turms hatte ihr Gespräch belauscht und die Polizei informiert.

Während Erdoğan sich gern als Fürsprecher palästinensischer Anliegen präsentiert, soll er sich in letzter Zeit mehrfach vergeblich darum bemüht haben, den neuen israelischen Premierminister zu kontaktieren. Mehrere Monate vor der Festnahme der israelischen Touristen habe der türkische Präsident mehrere erfolglose Versuche unternommen, ein Treffen mit Naftali Bennett zu organisieren, berichtet die Tageszeitung Israel Hayom unter Berufung auf einen nicht namentlich genannten Beamten. 

Berichten zufolge hatte die Türkei zuletzt auf Anraten von Beratern aus dem Umfeld Erdoğans ein Treffen der beiden Staatschefs auf der UN-Klimakonferenz in Glasgow angeregt. Da israelische Beamte vermeiden wollten, den Antrag direkt abzulehnen, war das Treffen unter diplomatischen Vorwänden vorerst auf Eis gelegt worden.

Obwohl Ankara und Tel Aviv ihre jeweiligen Botschafter nach der völkerrechtswidrigen Anerkennung Jerusalems durch die USA als Hauptstadt Israels im Jahr 2017 zurückgezogen hatten, erhielten beide Seiten die intensiven bilateralen Beziehungen aufrecht.

Der türkische Präsident Erdoğan hatte noch im Juli in einem der wenigen Telefonat mit dem israelischen Staatspräsidenten Herzog die "große Bedeutung" der wechselseitigen Beziehungen beider Länder für die Sicherheit und Stabilität im Nahen Osten hervorgehoben. Das Telefonat zwischen Erdoğan und Bennett markierte nun einen Wendepunkt in den bilateralen Beziehungen. Es war das erste öffentliche Gespräch zwischen einem israelischen Premierminister und dem türkischen Staatschef seit 2013.

Das Ansehen der Türkei im Westen hat insbesondere seit dem Amtsantritt von US-Präsident Biden stark gelitten. Die Beitrittsverhandlung der Türkei mit der Europäischen Union sind weitgehend festgefahren. Während nach der Zinssenkung der türkischen Notenbank der Wechselkurs der türkischen Lira zum Euro und Dollar auf ein Rekordtief gefallen ist, verlängerte der türkische Parlament jüngst den Militäreinsatz in Syrien und im Irak.

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