Nach Razzia: Starkoch Alfons Schuhbeck wegen Steuerhinterziehung angeklagt – es soll um Millionen gehen

Promikoch Alfons Schuhbeck soll Steuern hinterzogen haben. Wieder. Das zumindest glaubt die Münchner Staatsanwaltschaft. Sie hat Anklage erhoben. Sollte es zu einem Prozess kommen, könnte sogar Haft drohen.

Nach Razzia: Starkoch Alfons Schuhbeck wegen Steuerhinterziehung angeklagt – es soll um Millionen gehen

Promikoch Alfons Schuhbeck soll Steuern hinterzogen haben. Wieder. Das zumindest glaubt die Münchner Staatsanwaltschaft. Sie hat Anklage erhoben. Sollte es zu einem Prozess kommen, könnte sogar Haft drohen.

Es begann mit einer Razzia und einem Verdacht. Damals, rund zwei Jahre ist das her, da gab sich Alfons Schuhbeck – Starkoch, Liebling der Münchner High Society, "Platzl-Hirsch"– noch gelassen. Sprach davon, alle Vorwürfe entkräften, eng und sehr offen mit den Behörden zusammenarbeiten zu wollen. Doch nun hat die Münchner Staatsanwaltschaft eben doch Anklage erhoben – wegen Steuerhinterziehung. Wieder. Sollte es zum Prozess kommen, könnte es für Schuhbeck diesmal happig werden – nicht nur finanziell. 

Denn es geht wohl nicht um Peanuts, viel mehr um siebenstellige Beträge. Das zumindest will die "SZ" wissen, die von rund zwei Millionen Euro schreibt. Demnach seien Steuerfahnder und Staatsanwälte bei der Durchsuchung der Geschäftsräume damals auf Lücken in der Buchhaltung  gestoßen. Betroffen seien die  Restaurants Orlando und Südtiroler Stuben. Die Staatsanwaltschaft München I wollte sich auf Anfrage der "Dpa" nicht zu dem Fall äußern, verwies auf das Steuergeheimnis. Auch Schuhbeck schweigt.Alfons Schuhbeck 14.00

Es geht um Millionen

Sollte sich der Verdacht der Steuerhinterziehung bewahrheiten, könnte dem Koch im Worst-Case sogar Haft drohen. Der Konjunktiv ist in diesem Fall wichtig. Denn solange kein rechtskräftiges Urteil gesprochen wurde, gilt die Unschuldsvermutung. Zumal nicht klar ist, ob es überhaupt zu einem Prozess kommt. Diese Entscheidung trifft das Landgericht München. Sollte es das Go geben, ist ein Verhandlungsbeginn wohl nicht vor dem Frühjahr zu erwarten. In einem solchen würde geklärt werden müssen, ob die Vorwürfe zutreffen und wo das Geld geblieben ist, aber auch, ob die Buchhaltung schlichtweg schlecht oder absichtlich falsch geführt wurde. Und vor allem: von wem?

Tatsache ist, Steuerhinterziehung ist kein Kavaliersdelikt. Es handelt sich um eine Straftat, welche mit einer Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bestraft wird. Verhängt werden können bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe,  in besonders schweren Fällen sogar bis zu zehn Jahre. Ab 100.000 Euro kann es bereits ins Kittchen gehen, obschon dann in vielen Fällen noch Bewährung ausgesprochen wird. Ab dem Betrag von einer Million Euro jedoch wird es eng. Dann gibt es in der Regel keine Bewährung mehr. Zumal es für Schuhbeck bereits das zweite Mal wäre. Schon 1994 wurde er wegen Steuerhinterziehung und Untreue zu einem Jahr Bewährung und einer Geldstrafe von 250.000 Mark verurteilt. Mitarbeiter packt über AS aus 11.45

Insolvenz, Rettung, Anklage

Schuhbeck ist eine Instanz. Und das seit Jahrzehnten. Er gehört zu den bekanntesten und erfolgreichsten Köchen des Landes. In seine Restaurants kamen die Beatles, Angela Merkel, die Queen und der FC Bayern München sowieso. Er kochte im Fernsehen, betrieb eine Holding und mehrere Tochterfirmen. Doch so richtig rund lief es zuletzt nicht. Die Anklage nun ist nur einer in einer Reihe von Nackenschlägen, die der Starkoch zuletzt einstecken musste.

Erst im Juli wurde bekannt, dass der 72-Jährige in ernsthaften finanziellen Nöten steckt. "Nachdem die vollmundig angekündigten Staatshilfen bei mir bis heute ausgeblieben sind, muss ich für meine Betriebe Insolvenz anmelden", sagte er damals laut einer Mitteilung. Überschrieben war diese mit "Das nächste Corona-Opfer". Bis zuletzt habe er auf die staatlichen Finanzhilfen gehofft und private Gelder in sein Unternehmen gesteckt, ließ er damals mitteilen – "Doch jetzt ist Schluss." Betroffen von dem Aus waren seine Edel-Lokale am Platzl, darunter die Südtiroler Stuben und das Orlando, und der Partyservice.

Ein Großteil der Betriebe gilt zwar inzwischen durch eine anonyme Investorengruppe als gerettet. Doch die Probleme sind damit längst nicht vom Tisch. Denn auch das Bundesamt für Justiz (BfJ) hat ein Hühnchen mit dem Koch zu rupfen. Demnach fehlten im Bundesanzeiger im Sommer die Bilanzen der "Schuhbeck's Holding GmbH & Co. KG" und "Schuhbeck's Partyservice GmbH und Co. KG" für die Jahre 2017, 2018 und 2019. Deswegen wurden Ordnungsgeldverfahren gegen die Unternehmen eingeleitet, wie das Bundesamt laut "DPA" mitteilte. Das Ordnungsgeld beträgt im Regelfall mindestens 2500 Euro und höchstens 25.000 Euro. Bei Schuhbeck könnte mittlerweile eine beträchtliche Summe zustande gekommen sein.

Quelle: SZ, dpa