Mobilitätswende: Die Tesla-Aufholjagd: VW plant massiven Ausbau der eigenen Schnellladeinfrastruktur

VW will die Elektromobilität entscheidend vorantreiben und dafür seine Ladeinfrastruktur massiv ausbauen. In den kommenden Jahren soll ein Netz aus Zehntausenden Schnellladern entstehen. Das Vorbild dabei: Tesla.

Mobilitätswende: Die Tesla-Aufholjagd: VW plant massiven Ausbau der eigenen Schnellladeinfrastruktur

VW will die Elektromobilität entscheidend vorantreiben und dafür seine Ladeinfrastruktur massiv ausbauen. In den kommenden Jahren soll ein Netz aus Zehntausenden Schnellladern entstehen. Das Vorbild dabei: Tesla.

Tesla ist der große Vorreiter in der Elektromobilität. Der US-amerikanische Autobauer ist weltweit führender Elektroauto-Hersteller und droht selbst VW, einem der größten Autobauer der Welt, den Rang abzulaufen. Dabei ist Tesla nicht nur großer Konkurrent sondern zugleich auch in gewisser Weise ein Vorbild von VW. Die Wolfsburger wollen in Sachen Elektromobilität dringend aufholen und ihre Ladeinfrastruktur massiv ausbauen.

Dafür hat Volkswagen zu Jahresbeginn die erfahrene Energiewirtschaftsexpertin Elke Temme eingestellt. Temme war zuvor knapp zwei Jahrzehnte bei den Energiekonzernen RWE sowie Innogy tätig und leitet inzwischen bei VW das neue Geschäftsfeld "Laden & Energie". Dort bündelt sie markenübergreifend die verschiedenen Energieaktivitäten. Dazu gehört etwa die Energiebeschaffung, die Möglichkeit für Kunden, ihre Autos zu Hause und unterwegs zu laden sowie der Verkauf des benötigten Stroms.STERN PAID VW Chef Diess Fahrrad 14.01

Genau das macht Tesla schon. Der US-Autobauer stellt seinen Kunden seit Jahren leistungsstarke Supercharger bereit. Das Unternehmen um Elon Musk verfügt über ein Netz von etwa 30.000 Schnellladestationen weltweit, an denen Teslafahrer innerhalb von 15 Minuten Strom für 200 Kilometer laden können. Im Oktober teilte Tesla mit, dass sich sein Netz in den vergangenen 18 Monaten verdoppelt hat und in den kommenden zwei Jahren verdreifachen soll.

VW plant Bau von 45.000 Schnellladestationen bis 2025

VW hat hier Nachholbedarf. Durch einen geplanten, massiven Ausbau seiner Schnellladestationen erwartet der Konzern allerdings, dass sich sein Netz bis zum Jahr 2025 auf etwa 45.000 in der Zahl vervierfachen wird. Im März hieß es von Volkswagen, dass es bis dahin 400 Millionen Euro in den Ausbau seines weltweiten Schnellladenetzes stecken will.

Dazu will Volkswagen die Mitarbeiterzahl seiner Lade- und Energiesparte auf ungefähr 300 verdoppeln. In diesem Jahr wurde die Zahl bereits verdreifacht. "Wir investieren in große Wachstumsbereiche, die nicht immer sofort profitabel sein müssen. Wir sehen diese Investitionen immer im Gesamtzusammenhang mit unserer Konzernstrategie", sagte Temme der Nachrichtenagentur Reuters. Der Aufbau einer umfassenden Infrastruktur sei deshalb entscheidend.

Gemeinsam mit BMW, Mercedes-Benz, Ford und Hyundai halten die Wolfsburger Anteile am EU-Schnellladeprojekt Ionity. Außerdem hat sich VW mit Energieunternehmen, wie der italienischen Enel, der britischen BP und der spanischen Iberdrola zusammengetan, um auf internationaler Ebene eine Finanzierung der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge anzugehen. "Es sind verschiedene Modelle denkbar, von Produktpartnerschaften über Joint Ventures bis hin zu Fusionen und Übernahmen", so Temme. Nach Schätzungen der EU sind bis 2040 allerdings jährlich fünf Milliarden Euro für den Ausbau der Ladeinfrastruktur auf dem Kontinent nötig.

Ladeprozess soll im kommenden Jahr vereinfacht werden

Fahrer von VW-Elektroautos können nach Angaben des Autobauers an mehr als 250.000 bestehenden öffentlichen Ladepunkten verschiedener Anbieter in ganz Europa laden. Ein Hindernis ist dabei bislang, dass Ladeprotokolle und Bezahlmethoden von Anbieter zu Anbieter anders sein können. Um den Ladeprozess für seine Kunden zu vereinfachen, will VW ab dem ersten Quartal 2022 die "Plug & Charge"-Technologie in Europa anbieten: Das Auto speichert die Zahlungsdaten des Fahrers und es erfolgt eine kontaktlose Zahlung, wenn der Ladestecker einer entsprechenden Ladestellte ans Auto angeschlossen wird.

Für die Mobilitätswende ist auch die Möglichkeit entscheidend, sein E-Auto zu Hause mit Strom laden zu können – etwa durch hauseigene Solarzellen. Tesla bietet dies bereits an. VW verkauft indes Strom – auch an Kunden, die kein VW-Fahrzeug besitzen. Im Gegensatz zu Tesla will Volkswagen dabei Schnellladestationen bereitstellen, die jeder nutzen kann. "Wir verfolgen einen anderen Ansatz als Tesla, wenn es um den Ausbau der Ladeinfrastruktur geht", sagte Temme.

Denn die Energiewirtschaftsexpertin ist sich sicher: "Die Energieversorger müssen sich neu erfinden und von Atom und Kohle auf erneuerbare Energien umsteigen." In der Automobilindustrie, auch bei Volkswagen, gehe es derzeit um die Frage, wie man den Fokus konsequent von konventionellen Fahrzeugen auf nachhaltige Mobilität verlagere. Schließlich verfolgt Volkswagen ein großes Ziel: Bis zum Jahr 2040 sollen fast 100 Prozent seiner Fahrzeuge klimaneutral sein.


Quelle: Reuters, VW Pressemitteilung