Licht- und Schattenseiten: ADAC Test: Was Reisende bei der Bahn am meisten nervt

Unpünktlichkeit, verdreckte Toiletten und lahmes Internet: Der ADAC hat mit der Deutschen Bahn 30 Testfahren unternommen und die Qualität im Fernverkehr geprüft. Neben erheblichen Mängeln gibt es auch ein Lob.

Licht- und Schattenseiten: ADAC Test: Was Reisende bei der Bahn am meisten nervt

Unpünktlichkeit, verdreckte Toiletten und lahmes Internet: Der ADAC hat mit der Deutschen Bahn 30 Testfahren unternommen und die Qualität im Fernverkehr geprüft. Neben erheblichen Mängeln gibt es auch ein Lob.

Wie steht es um Bahnreisen in ICE- und IC-Zügen in Zeiten von Corona? Dieser Frage sind die Tester des ADAC im vergangenen Sommer nachgegangen und haben 30 Fahrten quer durch Deutschland unternommen. Dabei wurden fünf Kategorien berücksichtigt und für jede einzelne Bahnreise ausgewertet.

PAID Die Bahn muss besser werden 19.13

Diese Testkategorien spiegeln wider, was den Kunden der Bahn besonders wichtig ist: Information und Pünktlichkeit sowie Zustand und Hygiene der sanitären Einrichtungen wurden dabei am stärksten gewichtet. Danach folgen Sitz- und Reisekomfort, Personal sowie Handynetz und Internetzugang.

Das Ergebnis fällt gemischt aus: Pünktlich waren im Test nicht mal die Hälfte alle Züge: Nur zwölf erreichten ihr Ziel wie im Fahrplan angekündigt, das entspricht 43 Prozent. Sieben hatten maximal sechs Minuten Verspätung, weitere sechs blieben unter 16 Minuten. Bei drei Verbindungen waren die Verspätungen teils sehr viel größer. Ein Zug erreichte erst mit 92 Minuten Verspätung sein Ziel. Und zwei der ursprünglich 30 geplanten Fahrten konnten die Tester nicht antreten, da die Verbindungen ausfielen.

Toiletten mit gesundheitsgefährdender Keimbelastung

Bei ihrer Informationspolitik schnitt die Bahn in der Praxis besser ab. Die Ergebnisse werden insgesamt als gut eingestuft. "Alternative Verbindungen wurden rechtzeitig angekündigt, bei Gleiswechsel oder Verspätungen erhielten die Passagiere E-Mails oder Push-Nachrichten", schreiben die Tester in ihrem Bericht. Nur in einem Zug habe es keine Durchsagen gegeben.

Als "durchwachsen" bezeichnen die Tester ihre Erfahrungen mit dem Internet während der Fahrt. Fünf Züge hatten gar kein Wlan, nur bei knapp der Hälfte der Fahrten hatten die Tester immer guten Empfang. Streaming bei einer Bandbreite ab 2 Mbit pro Sekunde sei bei solchen Geschwindigkeiten allerdings schlecht möglich. Der Handynetz-Empfang war in vier von zehn Zügen durchwegs gut.

30 Jahre ICE 12.36

Beim den Themen Sauberkeit und Hygiene diagnostiziert der ADAC deutlichen Verbesserungsbedarf: "In zwölf Zügen (43 Prozent) gab es eine auffällige Keimbelastung, neun Proben waren sogar potenziell gesundheitsgefährdend", heißt es. Zwar seien die Toiletten optisch sauber, aber die Türklinken und Toilettenbrillen dennoch keimbelastet.

Unangenehm fiel außerdem auf, dass in zwei Zügen die barrierefreien Toiletten dauerhaft gesperrt waren. Menschen mit Mobilitätseinschränkungen könnten diese Züge gar nicht nutzen. Das Fazit des Clubs bei diesem Thema ist eindeutig: "Gründlichere Reinigungen der Toiletten, aber auch das zuverlässige Bereitstellen von Hygienebeuteln und in Pandemiezeiten vor allem von Desinfektionsmitteln sollten Bahnfahrende erwarten dürfen."

Großes Lob für die Zugbegleiter

Beim Sitz- und Reisekomfort schnitt die Bahn deutlich besser ab. 19 Züge erhielten hier eine sehr gute Bewertung. "Der pandemiebedingte freie Nachbarsitzplatz bei Reservierungen wurde im Test immer freigehalten, und die Unterstützung für Rollstuhlfahrer durch die Bahn hätte auf jeder Fahrt funktioniert." Allerdings könnten sich Bahnreisende auf das gastronomische Angebot nicht immer verlassen.

Gute Noten gab es dagegen für das Personal in den Zügen. bei den 30 Fahrten konnten die ADAC-Tester 27-mal die Bestnoten vergeben. "Positiv bewertet wurden die Zugbegleiter, die kompetent und fast immer schnell in den Zügen zu finden waren", lautet das Lob.

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