Kurz vor der Ski-Saison: Lockdown verhängt: Was Österreich-Urlauber jetzt wissen müssen

Österreich geht kommenden Montag in den Lockdown. Ausgerechnet jetzt, wo so langsam die Ski-Saison startet. Was Reisende jetzt wissen müssen.

Kurz vor der Ski-Saison: Lockdown verhängt: Was Österreich-Urlauber jetzt wissen müssen

Österreich geht kommenden Montag in den Lockdown. Ausgerechnet jetzt, wo so langsam die Ski-Saison startet. Was Reisende jetzt wissen müssen.

Neuer landesweiter Lockdown für alle und die Einführung einer Impfpflicht: Österreich greift im Kampf gegen die neue Corona-Welle zu drastischen Maßnahmen. Der Lockdown gelte ab Montag und auch für Geimpfte, kündigte Bundeskanzler Alexander Schallenberg am Freitag nach Beratungen mit den Bundesländern an. Zudem muss bis zum 1. Februar jeder Österreicher vollständig gegen das Coronavirus geimpft sein – ansonsten drohen Strafzahlungen. "Diese Entscheidung fällt uns nicht leicht", sagte Schallenberg nach den Beratungen mit den Regierungschefs der Bundesländer in Tirol. "Aber angesichts des Infektionsgeschehens müssen wir solche Maßnahmen setzen."

Österreich ist das erste Land in Europa, das zu solch harten Maßnahmen greift. Der Lockdown soll maximal 20 Tage dauern, nach zehn Tagen werde die Wirksamkeit überprüft und über das weitere Vorgehen entschieden, sagte Schallenberg. Damit gilt ab Montag eine umfassende Ausgangssperre, Österreicher dürfen nur noch aus dringend notwendigen Gründen wie Arztbesuchen und Arbeit das Haus verlassen. Eine solche Regel war Anfang dieser Woche bereits für Ungeimpfte eingeführt worden, ab Montag gilt sie nun auch für Geimpfte. Handel, Gastronomie und Kultur müssen grundsätzlich schließen, nur Anbieter von Waren des täglichen Bedarfs wie Supermärkte oder Apotheken dürfen geöffnet bleiben. Auch Schulen und Kindergärten sollen "prinzipiell" offen bleiben, kündigte Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) an. Allerdings solle es in den Schulen keine Präsenzpflicht geben.Lockdown Österreich 10.55

15 Prozent der österreichischen Wirtschaft vom Tourismus abhängig

In der stark betroffenen Tourismuswirtschaft wird der bevorstehende Lockdown als schmerzhaft, aber notwendig gesehen. Die Maßnahme treffe die Sparte zum Start der Skisaison "ungebremst und in voller Härte", sagte Branchenvertreter Robert Seeber von der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) am Freitag. "Er ist aber angesichts der drohenden Überlastung des Gesundheitssystems sowie zur Rettung der Wintersaison wohl unausweichlich", fügte er hinzu. Regeln für die Skigebiete gab die Regierung nicht sofort bekannt. Aus der Erfahrung vergangener Lockdowns wird erwartet, dass Hotels nur noch für Geschäftsreisen offenstehen. Angaben des österreichischen Tourismusportals zufolge sind touristische Reisen nach Österreich aber erst wieder nach Ende des Lockdowns für alle nach dem 13. Dezember wieder möglich.

Laut Finanzminister Gernot Blümel hängen rund 15 Prozent der österreichischen Wirtschaftsleistung vom Tourismus ab, wobei Pistensport und Städtereisen im Winter eine große Rolle spielen. Jeder zweite Wintersporturlaub in Europa werde in Österreich gebucht. "Deswegen hoffe ich, dass mit den Maßnahmen, die nun verkündet worden sind, zumindest ein Teil der Saison stattfinden kann". Mit der Verlängerung staatlicher Entschädigungen für Umsatzausfälle in der Wirtschaft in Höhe von Hunderten Millionen Euro pro Monat will Blümel den Lockdown abfedern.

Doch auch wenn der Tourismus rechtzeitig vor den Weihnachtsferien wieder anlaufen soll, sehen Hotelbetreiber die Situation eher düster. Das völlige Ausufern der Corona-Krise in Österreich werfe ein schlechtes Licht auf das Land, sagte Susanne Kraus-Winkler vom Fachverband Hotellerie in der Wirtschaftskammer. Die Gäste seien schließlich nicht nur wegen der schönen Landschaft gekommen, sondern auch wegen des Gefühls der Sicherheit. Der klassische Weihnachtsurlaub sei wohl gelaufen. Da sei allenfalls noch mit ein paar Stammgästen zu rechnen. Die Branche setze nun auf ein Durchstarten in der zweiten Saisonhälfte ab Mitte Januar.skisaison 15.15

Bisher gilt 2G auf der Piste

Schon die jüngste deutsche Reisewarnung für Österreich hatte zu einer Stornowelle geführt. In der Wintersaison entfielen zuletzt knapp 37 Prozent aller Übernachtungen auf deutsche Touristen. Mit einem Hotelsterben rechnet Kraus-Winkler jedoch nicht. Der Umsatzausfall werde wohl durch die Regierung zumindest teilweise abgefedert.

Bereits vor Wochen hatte sich das Land auf die Ski-Saison vorbereitet. Ungeimpfte dürfen demnach nicht auf die Piste, in der Gastronomie, Hotellerie und in den Seilbahnen gilt die 2G-Regelung. Das österreichische Tourismusportal hat die bisher geltenden Maßnahmen wie folgt zusammengefasst:

  • Für Geimpfte und Genesene entfällt in den Seilbahnen die Maskenpflicht.
  • 2G gilt auch in den Unterkünften, das heißt: Nur wer genesen oder geimpft ist, kommt auch in einer Hütte, einem Hotel oder sonstigen Beherbergungen unter.
  • In Museen und im Handel gilt eine FFP2-Maskenpflicht.
  • Ungeimpfte haben keinen Zutritt mehr. Ein Test, egal ob es sich um einen Antikörper- oder PCR-Test handelt, wird nicht mehr für den Zutritt anerkannt.
  • Geimpfte müssen ihren Status nachweisen können. Ab dem 6. Dezember darf die vollständige Immunisierung nicht länger als neun Monate zurückliegen. Danach braucht es eine Auffrischung. Die einmalige Impfung mit dem Vakzin von Johnson & Johnson wird nur noch bis zum 3. Januar 2022 anerkannt.
  • Wer bisher nur einfach geimpft ist, muss bis zum 6. Dezember zusätzlich einen negativen PCR-Test vorlegen.
  • Kinderunter 12 Jahren brauchen keinen Nachweis vorzulegen.
  • Für Jugendliche im Alter von 12 bis 15 Jahren wird noch nach einer Lösung gesucht.

Lockdown "verlässlichstes Mittel" gegen die vierte Welle

Österreicher steckt sich absichtlich mit Corona an und stirbt 14.15Österreich kämpft wie viele europäische Länder derzeit gegen eine heftige Corona-Welle mit immer neuen Höchstständen bei den Neuinfektionen. Am Freitag wurde der Rekordwert von 15.809 Ansteckungen innerhalb von 24 Stunden gemeldet. Am Donnerstag war in dem Land mit rund 8,9 Millionen Einwohnern insgesamt die Schwelle von einer Million bestätigten Infektionen seit Pandemie-Beginn überschritten worden. Die österreichweite Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei 1033 – Deutschland zum Vergleich meldete am Freitag bundesweit eine Inzidenz von 340. Die Impfquote in Österreich beträgt knapp 66 Prozent und liegt damit unter dem EU-Durchschnitt.

Der neue Lockdown sei "das verlässlichste Instrument, um die vierte Welle zu brechen", sagte Mückstein. Dieser soll laut den Beschlüssen "automatisch" am 13. Dezember enden. Ab diesem Tag solle alles wieder öffnen dürfen. Dies wäre gerade noch rechtzeitig für die für viele österreichische Hoteliers und Gastwirte besonders wichtige Winter-Ski-Saison, deren Rettung die Regierung seit Monaten verspricht. Der Lockdown für Ungeimpfte soll über den 13. Dezember hinweg bestehen bleiben.