Kampf gegen die vierte Welle: Österreich verhängt landesweiten Lockdown – ab Februar gilt eine Impfpflicht

Österreich verhängt eine landesweiten Lockdown. Dieser gilt zunächst für 20 Tage bundesweit für Geimpfte, Genesene und Ungeimpfte. Danach gelten die Einschränkungen nur noch für Ungeimpfte. Zudem soll es eine Impfpflicht geben

Kampf gegen die vierte Welle: Österreich verhängt landesweiten Lockdown – ab Februar gilt eine Impfpflicht

Österreich verhängt eine landesweiten Lockdown. Dieser gilt zunächst für 20 Tage bundesweit für Geimpfte, Genesene und Ungeimpfte. Danach gelten die Einschränkungen nur noch für Ungeimpfte. Zudem soll es eine Impfpflicht geben

Jetzt ist es offiziell: Österreich geht am Montag in den vierten Lockdown und plant eine Impfpflicht. Darauf haben sich die Minister und die Regierung bei einem Bund-Länder-Gipfel geeinigt, wie österreichische Medien übereinstimmend berichten. Bereits am Freitagmorgen hatte die Nachrichtenagentur APA unter Berufung auf Verhandlungskreise von den Plänen berichtet. Demnach gilt ab kommenden Montag ein 20-tägiger Lockdown für alle. Ab dem 13. Dezember soll dieser nach Aussage von Kanzler Alexander Schallenberg (ÖVP) nur noch für Ungeimpfte gelten.

Der Lockdown sei ein schwerer Schritt. "Das schmerzt enorm", sagte der Kanzler weiter. Ohne sie beim Namen zu nennen, kritisierte er die in Österreich einflussreiche rechte FPÖ heftig. Deren Impfkritik sei eigentlich ein "Attentat auf unser Gesundheitssystem". Trotz aller Überzeugungsarbeit und Kampagnen hätten sich zu wenige Menschen impfen lassen, sagte Schallenberg. Daher werde es ab 1. Februar 2022 zu einer Impfpflicht kommen. "Wir wollen keine fünfte Welle, wir wollen keine sechste und siebte Welle." Das Virus werde nicht weggehen, sondern bleiben.Impfpflicht in anderen Ländern 14.40

Auffrischungsimpfung spätestens nach sieben Monaten

Deshalb haben sich die Minister und die Regierung auf eine Verschärfung bei den Impfungen geeinigt. Eine Auffrischungsimpfung ist ab dem vierten Monat nach der Zweitimpfung möglich. Für Vektorimpfstoffe wird sie sogar empfohlen. Zudem gibt es Änderungen beim Grünen Pass. Statt nach neun Monaten, verliert er seine Gültigkeit nun bereits nach sieben Monaten. Diese Regelung tritt ab Februar in Kraft, soll heißen: Spätestens nach sieben Monaten ist eine Impf-Auffrischung nötig.

Auch eine allgemeine Impfpflicht haben die Ministerpräsidenten und die Regierung ausgehandelt. Sie soll nach einem Gesetzgebungsverfahren spätestens im Februar in Kraft treten.

Sehen Sie im Video: Gemischte Reaktionen auf Lockdown für Ungeimpfte in Österreich.

Auch für den Schulunterricht gelten neue Regeln. Schüler aller Klassenstufen müssen wieder eine Maske tragen. Allerdings können Kinder jetzt auch ohne ärztliches Attest zuhause unterrichtet werden. Dafür stellen die Schulen Lernpakete bereit. Präsenzunterricht gibt es "für all jene, die es benötigen". Eltern werden aber dazu aufgerufen, ihre Kinder zuhause zu lassen.

Darüber hinaus gilt ab kommenden Montag eine FFP2-Maskenpflicht in allen Innenräumen – auch am Arbeitsplatz. Überall, wo es möglich ist, sollen Beschäftigte im Homeoffice arbeiten. "Wenn wir diese Pandemie hinter uns lassen wollen, müssen wir diese Maßnahmen setzen", sagte Gesundheitsminister Wolgang Mückstein (Grüne).Was bringt ein Lockdown? 9.15

Neue Rekordwerte bei den täglichen Neuinfektionen

Österreich kämpft wie viele europäische Länder derzeit gegen eine heftige Corona-Welle mit immer neuen Höchstständen bei den Neuinfektionen. Am Donnerstag hatten die Behörden den Rekordwert von 15.145 Ansteckungen innerhalb von 24 Stunden gemeldet. Damit wurde in dem Land mit rund 8,9 Millionen Einwohnern insgesamt die Schwelle von einer Million bestätigter Infektionen seit Pandemie-Beginn überschritten.

Zu den bisherigen Maßnahmen zählte eine 3G-Regel am Arbeitsplatz. Die Beschäftigten müssen nachweisen, dass sie geimpft, genesen oder getestet sind. Am 8. November folgte die 2G-Regel für Veranstaltungen, Gastronomie und Tourismus, die Ungeimpften den Zutritt zu weiten Bereichen in der Freizeit verwehrte. Die Maßnahmen hatten den Zweck, die Impfbereitschaft zu erhöhen. Allerdings wirken die Vakzine erst nach einigen Wochen.

Der Regierungschef und sein konservatives Regierungsteam hatten sich bis zuletzt gegen weitere Einschränkungen ausgesprochen. Vorschläge des grünen Gesundheitsministers Wolfgang Mückstein zum Beispiel zu nächtlichen Ausgangsbeschränkungen für alle wurden kritisiert. Doch am Donnerstag preschten die von der ÖVP regierten Bundesländer Salzburg und Oberösterreich mit der Ankündigung regionaler Lockdowns vor. Lokale und die meisten Geschäfte schließen, Schulen stellen auf Fernunterricht um. Auch einige andere Länder signalisierten am Donnerstag, dass sie mitziehen würden.


Quellen: "Die Presse", "Der Standard", DPA, AFP