J. Peirano: Der geheime Code der Liebe: Ich stehe kurz vor einer Affäre - wie kann ich mich retten?

Eigentlich hat Lene ein schönes und erfüllendes Familienleben. Dann tritt plötzlich ein Mann in ihr Leben. Gibt es einen Ausweg für sie?

J. Peirano: Der geheime Code der Liebe: Ich stehe kurz vor einer Affäre - wie kann ich mich retten?

Eigentlich hat Lene ein schönes und erfüllendes Familienleben. Dann tritt plötzlich ein Mann in ihr Leben. Gibt es einen Ausweg für sie?

Liebe Julia Peirano,

vermutlich ahne ich die Antwort bereits. Denn sie wäre die einzig logische und vernünftige Handlung. Aber vielleicht gibt es noch einen Tipp, der mir helfen kann.

Vor einigen Wochen habe ich einen Mann kennengelernt, während er Wahlkampf für seine Bürgermeister-Kandidatur machte. Bis dahin hatte ich ihn noch nie gesehen. Dieser Mann hatte eine Initiative gestartet, die meinem Mann und mir bei der Kinderbetreuung unseres großen Kindes (knapp 7 Jahre alt) helfen würde. Das hat natürlich ziemlich Eindruck hinterlassen. 

Ein paar Tage später klingelte der "Fremde" an unserer Tür, um einen Wahlkampf-Flyer zu verteilen. Da unterhielten wir uns kurz über unsere Familien (Er ist verheiratet mit Kindern - so, wie ich auch).  Anschließend fuhr ich mit meiner Familie in den Urlaub. Doch in Gedanken war ich ständig beim "Fremden". Wir hatten einen tollen Urlaub und prinzipiell bin ich total glücklich mit meiner Familie. Durch unsere Tochter (3 1/4 Jahre alt) hat sich jedoch vieles verändert. Peirano Sorgentante, 23.00

Sie beansprucht mich seit dem ersten Tag sehr, sehr intensiv, sodass intime Momente selten geworden sind. Insgesamt ist meinerseits die sexuelle Anziehung an meinen Mann eher weniger geworden. Er ist mein bester Freund, wir können über alles reden. Zudem ist er ein absolut toller Vater. Wir sind seit zwölf Jahren glücklich verheiratet. Aber nun überschlagen sich meine Gedanken im Kopf an den "Fremden". So etwas ist mir noch nie zuvor passiert! In den letzten Wochen habe ich regelmäßig mit dem "Fremden" geschrieben, ohne dass mein Mann es weiß.

Vor ein paar Tagen haben wir uns heimlich getroffen und über unsere Gefühle gesprochen. Auch der "Fremde" hat Gefühle für mich. Aber wir wollen auf keinen Fall unsere Familien verlieren oder riskieren!!! Natürlich könnte man vernünftig sein und den Kontakt am besten abbrechen. Doch die Gefühle lassen sich so schwer unterdrücken. Und ja, ich sollte vermutlich mit meinem Mann darüber sprechen, aber ich möchte ihn nicht verletzen und eventuell unnötig verunsichern. Denn bisher ist mit dem "Fremden" außer des einen Treffens nichts "Verbotenes" geschehen. Es findet alles nur schriftlich beziehungsweise in unseren Köpfen statt. Auch das ist eine Form des Fremdgehens, ich weiß… Aber wie kann man in dieser Situation seine Gefühle kontrollieren?

Ich hoffe, Sie haben einen Rat für mich!

Lene T.

Liebe Lene T.,

mich würde sehr interessieren, was Sie gerne von mir hören wollen. Für mich hört es mich so an, als wenn Sie "eigentlich" von Ihrer Vernunft her wissen, was jetzt richtig wäre, aber hoffen, dass ich Ihnen noch ein Kaninchen aus dem Hut zaubern kann, so dass Sie doch beides (die sichere Ehe und die Schmetterlinge im Bauch mit dem anderen Mann) behalten können.

Mit diesem Wunsch stehen Sie nicht alleine. Im Grunde genommen ist bei vielen Menschen die Sehnsucht nach einer festen, vertrauten Beziehung und gleichzeitig einigen Liebesabenteuern nebenbei fest angelegt. Und auch wenn jemand nicht grundsätzlich mehrere PartnerInnen nebeneinander haben möchte, gibt es bestimmte Situationen in einer Beziehung, die einen empfänglich für eine Außenbeziehung machen. Das sind unter anderem sexuelle Flaute, wenig gemeinsame Unternehmungen und Gespräche (zum Beispiel durch Überforderung mit Kindern oder im Beruf), fehlende Anerkennung oder Verletzungen. Bei Ihnen scheint es eher um die beiden erstgenannten Auslöser zu gehen.Bio Julia Peirano

Und ab dem Moment, in dem sich ein Partner für jemand anderen interessiert, ähneln sich die Geschichten: Es gibt heimlichen schriftlichen Austausch, diskrete Treffen, die Gedanken kreisen um den anderen, die Phantasie wird aktiv.

An dieser Stelle würde ich Ihnen das Buch "Die Vermessung der Liebe: Vertrauen und Betrug in Paarbeziehungen" von John Gottman und Nan Silver empfehlen. Es wird darin genau beschrieben, wie man der ursprünglichen Beziehung Energie entzieht, indem man Mauern vor seinem Partner errichtet, um eine Außenbeziehung zu verbergen. Und letztlich durch die Verschiebung dieser Mauer (die nicht mehr das Paar schützt, sondern die Außenbeziehung vor dem Partner verbirgt) ein gefährlicher Prozess eingeleitet, der in den meisten Fällen über kurz oder lang zu einer Affäre führt.

Das ist wahrscheinlich genau der Punkt, an dem Sie jetzt stehen. Ich würde Ihnen raten, mit Ihrem Mann offen zu sprechen. Wichtig sind dabei die Themen, die Sie beide betreffen: das Abflauen der sexuellen Lust, die Gründe dafür, Ideen, wie Sie etwas verändern können (zum Beispiel Auszeiten als Paar, Beschäftigung mit Sexualität und Intimität als Paar). Auch hier kann ich Ihnen ein Buch empfehlen: "Make more Love" von Ann Marlene Henning. Auch wenn Ihr Mann kein Interesse an dem Buch hat, kann es Ihnen dabei helfen, herauszufinden, was für sexuelle Bedürfnisse Sie haben und warum Sie ihn nicht mehr so anziehend finden. Es wäre gut, hier Energie und Aufmerksamkeit hineinfließen zu lassen.

Erst wenn die Gespräche mit Ihrem Mann zeigen, dass Sie sexuell keinen gemeinsamen Nenner finden, könnten Sie gemeinsam darüber nachdenken, die Beziehung eventuell zu öffnen. Das wäre die faire Lösung. Auch hier ein Buchtipp: "Treue ist auch keine Lösung" von Holger Wendt und Lisa Fischbach. 

Wenn Sie diese Reihenfolge missachten und erstmal Ihren Gefühlen für den anderen Mann folgen, wird es höchstwahrscheinlich dazu führen, dass Sie das Vertrauen zu Ihrem Mann zerstören, ihn zutiefst verletzen und auch Ihre Kinder sehr belasten. Aus meiner Erfahrung sind die Schäden hinterher viel größer, als man sich das vorher ausmalt, - und sie sind oft nicht zu reparieren. Ich hoffe, dass diese Gedanken Ihnen helfen, den richtigen Weg zu gehen.

Herzliche Grüße

Julia Peirano


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