Honda Civic 1.5 Turbo: Weltbürger

Der Honda Civic ist seit Jahrzehnten eines der erfolgreichsten Autos der Welt. Während in Europa noch die 10. Generation unterwegs ist, fährt in den USA bereits der Nachfolger durch die Gegend - mit uns hinter dem Steuer.

Honda Civic 1.5 Turbo: Weltbürger

Der Honda Civic ist seit Jahrzehnten eines der erfolgreichsten Autos der Welt. Während in Europa noch die 10. Generation unterwegs ist, fährt in den USA bereits der Nachfolger durch die Gegend - mit uns hinter dem Steuer.

Ein erfolgreicheres Auto als den Honda Civic zu finden ist schwer. Denn auch wenn das Kompaktklassemodell in Europa in der Zulassungsstatistik nur eine Nebenrolle spielt, ist der japanische Golf-Konkurrent in den USA und Asien erfolgreicher denn je mit millionengroßen Stückzahlen und einem Image wie Donnerhall. Anders als in anderen Baureihen von Honda spielt ein elektrischer Antrieb beim Civic nach wie vor keinerlei Rolle - weder ein Plug-In-Hybride noch eine Elektroversion sind im Angebot. Der Civic spricht - egal ob als viertürige Limousine oder Schrägheckmodell - seit Jahr und Tag die Traditionalisten an; jene denen der Accord zu groß oder ein Fahrzeug wie Toyota Camry zu langweilig ist. Seit Jahren fährt der Honda Civic gerade in den USA die internationale Konkurrenz aus Europa und Asien in Grund und Boden. Grund genug, sich den neuen Honda Civic der mittlerweile elften Generation auf seinem Heimatmarkt einmal genauer anzuschauen, denn er kommt bald auch nach Europa. Die Fertigung im britischen Swindon gehört mittlerweile der Vergangenheit an und auch die kommende Schrägheckversion für Europa wird im amerikanischen Greensburg / Indiana oder im kanadischen Alliston / Ontario gefertigt.

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Seit dem Jahre 1973 wurden allein in den USA mehr als zwölf Millionen Honda Civic verkauft, wodurch es der Japaner unter die drei meistverkauften PKW aller Zeiten in Nordamerika schafft. Von der vergangenen Generation - seit 2015 im Markt - wurden mehr als 1,7 Millionen Mal unter die Leute gebracht, ehe nun der Nachfolger startete. Während in Europa die Schrägeckvariante den Ton angibt, sieht das auf dem Massenmarkt USA ganz anders aus. Hier ist der Honda Civic seit Jahrzehnten als viertürige Limousine der Bestseller. Nachdem die amerikanischen Japaner lange an den hoch drehenden Saugmotoren festgehalten haben, ist man mittlerweile wie die meisten Konkurrenten zumindest beim Topmodell auf einen drehmomentstarken Turbobenziner umgestiegen. Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang für die meisten Kunden der Honda Civic mit seinem 1,5 Liter großen Vierzylinder, der Dank Turboaufladung 132 kW / 180 PS / 240 Nm generiert. Sein Normverbrauch: 6,5 Liter auf 100 Kilometern und damit ein halber Liter weniger als der Basisbenziner mit zwei Litern Hubraum und 158 PS.

Das Design der elften Generation ist technischer und dynamischer als bei den vergangenen Generationen. Die 4,67 Meter lange Limousine spielt mit Coupé-Assoziationen und erinnert an einen Audi A5 Sportback oder den Hyundai i30 Fastback. Im Innern ist der Civic zudem deutlich moderner geworden; so gibt es animierte Instrumente, einen neun Zoll großen Touchscreen in der Mitte der Armaturentafel, kabelloses Laden des Smartphones und ein Bose-Soundsystem mit zwölf Boxen. Ebenso große Aufmerksamkeit wie auf den Komfort wurde auch auf die Sicherheit gelegt. So gibt es erstmals Fondairbags und neu gestaltete Airbags vorn, die Verletzungen von Kopf und Nacken reduzieren sollen. Im Innenraum gibt es durch den um 3,5 Zentimeter auf 2,71 Meter verlängerten Radstand etwas mehr Beinfreiheit als bisher und die Sitze sind gerade vorne gut konturiert. Das Ladevolumen von 407 Litern lässt sich durch Umlegen der Rücksitze deutlich vergrößern.

Wahlweise lassen sich über einen Schalter an der Mittelkonsole drei Fahrmodi durchschalten, wobei das Automatikgetriebe mittlerweile obligatorisch verbaut ist. Der Vierzylinder mit 1,5 Litern Hubraum ist akustisch zurückhaltend und wird bei höheren Drehzahlen kerniger ohne dabei sportliche Gene zu zeigen. Ein Grund ist die stufenlose CVT-Getriebeautomatik, die dem Fronttriebler einiges an Dynamik raubt und auch dem Motorklang unter Last nicht guttut. Im Vergleich zu seinem Vorgänger liegt der knapp 1,4 Tonnen schwere Civic besser, weil satter auf der Straße. Nicht nur bei flotter Kurvenfahrt macht sich die verbreiterte Spur vorne wie hinten durch mehr Laufruhe und Agilität bemerkbar. Gerade die leichtgängige, aber dennoch präzise Servolenkung kann gefallen. Es scheint kaum das Gewicht eines Verbrennungsmotors auf der Vorderachse zu liegen, so lässig und leicht lenkt der Japaner auch bei geringeren Kurvengeschwindigkeiten ein. So macht selbst das vermeintliche Familienmodell jede Menge Laune. Die einzelnen Fahrprogramme liegen jedoch zu eng beieinander und unterscheiden sich zu wenig. Was Honda bei seinem Civic im Unterschied zu vielen Konkurrenten nicht anbietet, ist ein optionaler Allradantrieb. Wer diesen will, muss in einen SUV wie den C-RV umsteigen.

Der Basispreis für den Honda Civic 1.5 Turbo Touring liegt bei 28.300 US-Dollar. Dafür gibt es elektrische Sitze, eine komplette Sicherheitsausstattung mit LED-Scheinwerfern und zahlreichen Assistenzsystemen. Im Touring-Paket sind zudem 18-Zoll-Alufelgen, Navigationssystem, Bose-Soundsystem und beheizte Ledersitze enthalten. Im kommenden Jahr soll die elfte Generation dann auch nach Europa kommen. Erwartetes Volumenmodell: die Schrägheckvariante mit 180 PS.