Gewichtsdebatte: Adele schuldet niemandem, dick zu sein

Die Veröffentlichung ihres neuen Albums steht kurz bevor und Adele ist auf großer PR-Tour. Dabei wird sie auch wieder und wieder auf ihren großen Gewichtsverlust angesprochen – und kontert das bravourös. 

Gewichtsdebatte: Adele schuldet niemandem, dick zu sein

Die Veröffentlichung ihres neuen Albums steht kurz bevor und Adele ist auf großer PR-Tour. Dabei wird sie auch wieder und wieder auf ihren großen Gewichtsverlust angesprochen – und kontert das bravourös. 

Als im Januar vergangenen Jahres Fotos viral gingen, auf denen eine erschlankte Adele im Urlaub am Strand ihren Spaß hat, begann eine Diskussion um die Figur der Sängerin. 

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Adele äußert sich zu Gewichtsverlust

Die einen behaupteten, Adele habe viel zu viel abgenommen, sei sich nicht mehr treu. Andere lobten sie für ihre Disziplin. Am Anfang ihrer Karriere wurde Adele dafür gefeiert, trotz immer existierender Kritik zu ihren Kurven zu stehen. "Ich wollte nie wie Models auf den Magazin-Titeln aussehen. Ich repräsentiere die Mehrzahl der Frauen und darauf bin ich sehr stolz", sagte die damals 23-jährige Adele der Zeitschrift "People". 

Und so waren die Bilder der dünnen Adele für manche schwer zu ertragen, immerhin hat die Engländerin jahrelang bewiesen, dass Erfolg und Popularität völlig unabhängig vom Gewicht sind. Ihr Körper sorgte besonders unter ihren weiblichen Fans für eine anhaltende Identifikation. Adele ist "eine von uns", immerhin hat sie ja eine "normale Figur", so der Tenor. Doch da beginnt bereits das erste Problem: Was ist überhaupt normal? Das zweite Problem: Ganz gleich wie Adele aussieht, ihr Körper wird kommentiert. Ob auf gute Art und Weise oder auf schlechte. 

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Adeles Gefühle waren verletzt

Im neuen Interview mit Oprah Winfrey äußerte sich die Ausnahmekünstlerin zu der Debatte und fand eine Antwort, die wohl treffender nicht hätte sein können. "Ich bin nicht schockiert oder gar beunruhigt darüber", antwortete sie. "Weil mein Körper während meiner gesamten Karriere zum Objekt gemacht wurde. Ich bin entweder zu dick oder zu dünn, entweder heiß oder nicht", sagte sie. Dass Fans traurig seien über ihren Gewichtsverlust und das auf sich selbst beziehen, wisse sie.

"Aber es ist nicht meine Aufgabe, zu bewerten, wie die Leute über ihren Körper denken. Ich fühle mich schlecht, wenn sich jemand dadurch schrecklich fühlt – aber das ist nicht meine Aufgabe. Ich versuche, mein eigenes Leben in den Griff zu bekommen. Ich kann nicht noch eine weitere Sorge hinzufügen", erklärte die Sängerin. Die Musikerin war insbesondere enttäuscht, dass so viele Frauen die Debatte geprägt haben. Es habe ihre Gefühle verletzt, gab sie im "Vogue"-Interview zu. 

Plump gesagt: Adele schuldet niemandem, dick zu sein. Und genauso wenig schuldet sie der Welt, abzunehmen. Sind wir ehrlich: Die ewigen Gewichtsdiskussionen sind mindestens uninteressant, im schlimmsten Fall können sie aber auch gefährlich sein. Weil sie weiterhin vermitteln, der Wert einer Person mache sich über sein oder ihr Aussehen fest. Wenn nicht mal ein Weltstar wie Adele, der Hit über Hit veröffentlicht, davon gefeit ist, wie schlecht stehen dann die Chancen für alle anderen?

Das Problem mit "Body Positivity"

Der Fall Adele symbolisiert auch ein Problem der Body-Positivity-Bewegung. Jahrelang war Adele – ähnlich wie auch Sängerin Lizzo – unfreiwilliges Aushängeschild. Die laute Kritik an Adeles verändertem Körper passt dazu überhaupt nicht. Denn sollte Body Positivity nicht alle Körper einschließen? Dünn, dick, groß, klein und alles dazwischen?

Oder noch besser: Statt Body Positivity sollte man sich lieber in Body-Gleichgültigkeit üben. Die Körper anderer Menschen, ob Stars oder im Freundeskreis, müssen nicht kommentiert werden. Sie müssen nicht gefeiert werden oder gehasst. Es ist nicht nötig, bringt niemanden weiter und im schlimmsten Fall endet es gefährlich. Um es mit Adeles Worten zu sagen: Wir können nicht noch eine weitere Sorge hinzufügen.