Geschichte: Salina Steinfeld ist «Miss Holocaust Survivor 2021»

Sie haben die Hölle überlebt und sollen sich am Ende ihres Lebens noch einmal als Königinnen fühlen: Die neue «Miss Holocaust Survivor» ist gewählt worden. Sie sagt: «Dies ist mein persönlicher Sieg über die Nazis.»

Geschichte: Salina Steinfeld ist «Miss Holocaust Survivor 2021»

Sie haben die Hölle überlebt und sollen sich am Ende ihres Lebens noch einmal als Königinnen fühlen: Die neue «Miss Holocaust Survivor» ist gewählt worden. Sie sagt: «Dies ist mein persönlicher Sieg über die Nazis.»

Salina Steinfeld steht im schimmernden Spitzenkleid auf der Bühne, eine weiß-blaue Schärpe darüber, ein Diadem auf dem leuchtend roten Haar und eine Kette mit großen Perlen um den Hals. Die 86-Jährige winkt mit der rechten Hand in das Publikum - ein bisschen wie die Queen.

Im Hintergrund ist ihr übergroßes Porträt zu stehen. «Salina Steinfeld», steht dort auf Hebräisch. Dazu ist in dem Video «Dancing Queen» von Abba zu hören. Steinfeld aus der israelischen Küstenstadt Haifa ist in Jerusalem zur «Miss Holocaust Survivor 2021» gekürt worden.

«Wir müssen überall stark sein, um zu wissen, wie wir uns um uns selbst kümmern können - und am wichtigsten, uns gegenseitig zu helfen», sagte Steinfeld nach der Wahl, wie die Veranstalter am Mittwoch mitteilten. «Lasst unglückliche Menschen nicht allein.» Die Seniorin besucht demnach trotz ihres hohen Alters mindestens einmal in der Woche als Freiwillige andere Holocaust-Überlebende.

Steinfeld wurde laut den Veranstaltern 1935 in der rumänischen Stadt Iasi geboren. Dort erlebte sie mit ihren Eltern, ihren Brüdern und ihrer Großmutter das antijüdische Pogrom 1941. 1948 wanderte sie nach Israel aus, wo sie heiratete und drei Kinder bekam. Heute hat sie sieben Enkelkinder und zwei Urenkel. «Dies ist mein persönlicher Sieg über die Nazis, wir müssen uns erinnern und dürfen nicht vergessen», sagte sie.

Laut der Organisation Jad Eser Lachaver aus Haifa als Veranstalter gab es mehrere Hundert Bewerberinnen für die Wahl, aus ihnen wurden zehn Finalistinnen ausgewählt. Die Teilnehmerinnen bereiteten sich demnach mehrere Wochen auf den Wettbewerb vor. Bei der Wahl hätten sich erstmals auch Zuschauer über ein Online-Voting beteiligen können.

Schimon Sabag, der Vorsitzende von Jad Eser Lachaver, sagte, die Veranstaltung sei «noch ein Weg, möglichst vielen Holocaust-Überlebenden zum Lebensabend einige Momente der Zufriedenheit und des Glücks zu schenken». Er sei sehr froh, dass man die Veranstaltung trotz der Corona-Pandemie abhalten konnte. Dabei galten die Vorgaben des Grünen Passes - Teilnehmer mussten geimpft, genesen oder negativ getestet sein.

In der Jury saßen unter anderem ehemalige und amtierende Schönheitsköniginnen, Geschäftsfrauen und auch Lea Schenirer als Vertreterin der zweiten Generation nach dem Holocaust: Ihre Mutter Olga Grossman hatte die grausamen Zwillingsversuche des KZ-Arztes Josef Mengele im deutschen Vernichtungslager Auschwitz in Polen überlebt.

Ziel der ungewöhnlichen Miss-Wahl sei es, «den Heldinnen, die den Holocaust überlebt haben, Freude zu bringen», hieß es in der Mitteilung. Die Teilnehmerinnen würden einen Tag lang von professionellen Makeup-Künstlern, Friseuren und Stylisten verwöhnt. Die letzte Wahl zur «Miss Holocaust Survivor» hatte wegen der Corona-Pandemie im Jahr 2018 stattgefunden.

Nach Angaben der zuständigen Behörde leben derzeit noch rund 170.000 Holocaust-Überlebende und Opfer von antisemitischen Bedrohungen in Israel. Das Durchschnittsalter der Betroffenen liege aktuell bei 85 Jahren, sagte ein Sprecher. Die Nationalsozialisten und ihre Helfershelfer hatten während des Zweiten Weltkrieges sechs Millionen Juden ermordet.