Freiwillige Arbeit statt Knechtschaft: Angeblicher Sklave nimmt Anzeige gegen Farmer zurück

Die Story eines Russen, der angeblich 20 Jahre lang in Kasachstan als Sklave gearbeitet haben soll, entwickelt sich weiter. Nach Angaben der kasachischen Polizei behauptet der 44-Jährige nun, er habe auf der Farm des mutmaßlichen Sklavenhalters freiwillig gearbeitet.

Freiwillige Arbeit statt Knechtschaft: Angeblicher Sklave nimmt Anzeige gegen Farmer zurück

Die Geschichte des 44-jährigen Alexei Kotow, der angeblich 20 Jahre lang als Sklave in Kasachstan gearbeitet haben soll, hat eine neue Wendung bekommen. Nachdem die Befreiung des russischen Bürgers am 17. November landesweit hohe Wellen geschlagen hatte, teilte die kasachische Polizei am Mittwochabend mit, der Mann habe seine Aussage zurückgenommen. Während einer Vernehmung im Beisein von Mitarbeitern des russischen Konsulats habe Kotow erklärt, er habe auf der Farm im kasachischen Gebiet Karaganda freiwillig gearbeitet. Außerdem habe er ein Handy benutzt und jederzeit die Möglichkeit gehabt, den Bauernhof zu verlassen.

Nach Angaben der kasachischen Polizei nahm der 44-Jährige die Anzeige gegen den mutmaßlichen Sklavenhalter zurück. Dabei teilte der russische Bürger mit, er habe keine Beschwerden gegen den Farmbesitzer. Das einzige Ziel seines in den sozialen Medien veröffentlichen Hilferufs sei es gewesen, nach Hause zurückzukehren.

Zuvor hatte sich in den sozialen Medien ein Video viral verbreitet, in dem Kotow um Hilfe bat und sagte, er befinde sich seit 20 Jahren gegen seinen Willen in Kasachstan. Die Aufnahme rief die kasachischen Sicherheitsbehörden auf den Plan und die örtliche Polizei leitete eine Untersuchung wegen mutmaßlicher Freiheitsberaubung ein. Zur Untersuchung aller Umstände des Falls schaltete sich auch die russische Botschaft in Kasachstan ein. Die Regierung des russischen Gebiets Jaroslawl, aus dem der angebliche Sklave stammt, versprach dem Landsmann eine Rehabilitierungskur in einem örtlichen Sanatorium und Unterstützung bei der Arbeitssuche.

Unter Berufung auf Kotows Familienangehörige berichteten russische Medien, dass der Mann im Jahr 1997 nach der Ableistung seiner Wehrpflicht in Russland nach Kasachstan gereist war, um dort unter Vertrag in der kasachischen Armee zu dienen. Im Mai 1998 wollte Alexei wieder zu seinen Eltern und Geschwistern nach Russland reisen, kam dort aber nicht an. Im Februar 1999 bekam seine Familie einen Brief, in dem der Mann schrieb, er sei an einem Bahnhof in Kasachstan verprügelt worden und liege nun in einem Krankenhaus. Der letzte Brief traf im Juli 1999 ein. Dann brach der Kontakt zu dem Mann ab.

Momentan befindet sich der 44-Jährige in der kasachischen Hauptstadt Nur-Sultan und wartet, bis die russische Botschaft seine Dokumente wiederherstellt, damit er nach Russland zurückkehren kann. Nach eigenen Angaben will er sich nun in seinem Heimatgebiet Jaroslawl niederlassen. Dort leben seine betagten Eltern, drei Schwestern und zwei Brüder.

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