Feindbild "Sesamstraße": Wieso, weshalb, warum? US-Republikaner verbannen Elmo, Bibo, Ernie und Bert von ihrem Kongress

Dass Bibo, Kult-Vogel aus der "Sesamstraße", auf Twitter seine Corona-Impfung öffentlich gemacht hat, brachte die Republikaner Anfang November in Rage. Und ihr Groll gegen die Kinderserie ist offenbar noch längst nicht verschwunden.

Feindbild "Sesamstraße": Wieso, weshalb, warum? US-Republikaner verbannen Elmo, Bibo, Ernie und Bert von ihrem Kongress

Dass Bibo, Kult-Vogel aus der "Sesamstraße", auf Twitter seine Corona-Impfung öffentlich gemacht hat, brachte die Republikaner Anfang November in Rage. Und ihr Groll gegen die Kinderserie ist offenbar noch längst nicht verschwunden.

Die US-Republikaner setzen ihren Propaganda-Feldzug gegen die "Sesamstraße" fort: Die Conservative Political Action Conference (CPAC), ein jährliches Treffen erzkonservativer Republikaner, verkündete am Donnerstag in den sozialen Medien, dass Elmo, Bibo, Ernie und Bert auf ihrer Konferenz im nächsten Jahr unerwünscht seien.

"Nicht eingeladen" schrieb die CPAC neben Abbildungen der Figuren aus der weltberühmten Fernsehserie für Kinder im Vorschulalter. Dann postete sie die Bilder samt Ankündigung der Veranstaltung im Februar auf Twitter.

Dass die drei Handpuppen und ihr gefiederter Freund sich ohnehin nicht besonders angezogen von der Versammlung der Trump-Ultras im US-Bundesstaat Florida fühlen dürften, war sicherlich auch den CPAC-Twitterern klar. Umso mehr zeigt ihr Posting, wie sehr die Republikaner die "Sesamstraße" mittlerweile als Feindbild betrachten.

Bibo lässt sich impfen – und den Republikanern schwillt der Kamm

Hintergrund der Aversion der Konservativen gegen die Kult-Kinderserie ist das Impfbekenntnis von Bibo vor zwei Wochen: Der große, gelbe Vogel hatte auf Twitter mitgeteilt, dass er gegen das Coronavirus geimpft sei. Wenige Tage zuvor hatte die US-Arzneimittelbehörde FDA dem Vakzin von Biontech/Pfizer eine Notfallzulassung für fünf- bis Elfjährige erteilt, woraufhin die Macher der "Sesamstraße" offenbar subtil für den Piks gegen Covid-19 werben wollten.STERN PAID USA: Kinder und Corona 1740

Den Republikanern gefiel das gar nicht. Viele Anhänger der Partei von Ex-US-Präsident Donald Trump lehnen das Impfen ab, unter anderem weil sie bezweifeln, dass das Coronavirus gefährlich ist, oder wilden Verschwörungstheorien Glauben schenken, die das Impfen verdammen.

So beeilte sich der republikanische Senator Ted Cruz aus Texas nach Bibos Bekenntnis, "die Medien" als "Marionetten der Demokraten" zu brandmarken und teilte einen Beitrag, der eine "Propaganda-Hölle" heraufbeschwor. Trumps früherer Berater Steve Cortes stempelte "diese Propaganda" als "böse" ab. Und Lisa Boothe, Moderatorin des Haus- und Hofsenders der Konservativen, Fox News, fabulierte von "Gehirnwäsche" an Kindern.

Neue "Sesamstraße"-Puppe empört CPAC-Organisator

Matt Schlapp, Vorsitzender der American Conservative Union, die das traditionelle CPAC-Treffen organisiert, regte sich in dieser Woche noch aus einem anderen Grund über die "Sesamstraße" auf, wie die Nachrichtenseite "Mediaite" berichtet: In der Kindersendung soll erstmals eine Puppe mit asiatischen Wurzeln erscheinen. "Unsere neue Freundin heißt Ji-Young und ist ein siebenjähriges koreanisch-amerikanisches Mädchen", teilte die Produktionsfirma Sesame Workshop am Montag in New York mit.

Ji-Young soll ihr Debüt am Thanksgiving-Tag am 25. November geben, im "Sesamstraße"-Special "See Us Coming Together" (Wie wir alle zusammenkommen), das mit viel Musik Nachbarn aus dem asiatischen und dem pazifischen Raum vorstellen soll. "Die Mission des Sesame Workshop ist es, dass Kinder klüger, stärker und freundlicher aufwachsen", erklärten die Macher. Auch die Wertschätzung jeder ethnischen Identität sei der Sesamstraße sehr wichtig.

Matt Schlapp ist diese Wertschätzung dagegen eher ein Dorn im Auge. Er bezeichnete die durch Spenden und staatliche Zuschüsse finanzierte Senderkette Public Broadcasting Service (PBS), die das Special ausstrahlen wird, als "verrückt" und forderte, man solle ihr die Gelder streichen.

Quellen: Conservative Political Action Conference IConservative Political Action Conference II"Mediaite", "Huffington Post"