Einbürgerung abgelehnt: Mann von den Kapverden erhält keinen Schweizer Pass, weil er seine Windschutzscheibe nicht enteist hat

Er lebt seit elf Jahren in der Schweiz und ist mit einer Schweizerin verheiratet: Einen Schweizer Pass bekommt ein Mann von den Kapverden vorerst dennoch nicht. Grund ist ein Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung.

Einbürgerung abgelehnt: Mann von den Kapverden erhält keinen Schweizer Pass, weil er seine Windschutzscheibe nicht enteist hat

Er lebt seit elf Jahren in der Schweiz und ist mit einer Schweizerin verheiratet: Einen Schweizer Pass bekommt ein Mann von den Kapverden vorerst dennoch nicht. Grund ist ein Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung.

Wer sich als Ausländer in der Schweiz einbürgern lassen möchte, muss einen lupenreinen Werdegang vorweisen können. Jede kleine Ordnungswidrigkeit kann das Vorhaben vereiteln. Wie streng die Behörden dabei vorgehen, musste ein Mann von den Kapverden erfahren. Ihm wird die Einbürgerung versagt, weil er vor mehr als zwei Jahren die Windschutzscheibe an seinem Auto nicht richtig enteist hatte.

2010 war der Mann von der Inselgruppe im Atlantischen Ozean in die Schweiz ausgewandert, berichtet die Zeitung "Blick". Er heiratete eine Schweizerin, verhielt sich jahrelang tadellos. An einem Wintermorgen 2019 jedoch sei er in seinem Auto von der Polizei angehalten worden, erzählte er dem "Blick". Seine Windschutzscheibe war noch teilweise vereist. Deshalb wurde er zu einer Geldstrafe von 300 Franken (etwa 287 Euro) verurteilt sowie zu einer bedingten Geldstrafe von fünf Tagessätzen, die bei einem erneuten Vergehen innerhalb einer Probezeit von zwei Jahren fällig würde.PAID Burka-Verbot Schweiz 19.15

Einbürgerung abgelehnt

Diese Strafe wurde dem Mann zum Verhängnis. Bereits 2018 hatte er einen Schweizer Pass beantragt. Im Juni 2020 erhielt er den Bescheid vom Staatssekretariat für Migration: Weil er bereits gegen das Straßenverkehrsgesetz verstoßen habe, könne er nicht eingebürgert werden.

Der Kapverdier hält die Ablehnung für nicht gerechtfertigt: "Ich weiss, dass ich die Scheiben besser hätte putzen sollen, aber nun fühle ich mich behandelt wie ein Krimineller", sagt er. Auch eine Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht wurde abgewiesen. Die Enttäuschung ist groß: "Ich habe 900 Franken bezahlt für das Einbürgerungsgesuch, 300 Franken Busse wegen der vereisten Windschutzscheibe, die Anwaltskosten und die Prozesskosten von 1000 Franken – und das alles für nichts." Sein Anwalt kann die Entscheidung inhaltlich nicht nachvollziehen, hält sie aber für juristisch stichfest: Sie folge den "Kriterien der Verordnung".

Dennoch hat er weiter Chancen, die Schweizer Staatsbürgerschaft zu erhalten. Bald ist die zweijährige Probezeit nach seinem Malheur mit der Windschutzscheibe abgelaufen. Dann könnte der Kapverdier einen erneuten Versuch starten. Ob er das allerdings wirklich tun wird, habe er noch nicht entschieden, sagte der Mann dem "Blick".

Quelle: "Blick"