"Die Stunde Null": Steaks aus dem Labor: "Ich will unbedingt erreichen, dass Fleisch anders hergestellt wird"

Fleisch aus dem Labor? Klingt wie aus einem Science-Fiction-Film, wird aber in einigen Jahren zu kaufen sein, sagt Laura Gertenbach. Die Mitgründerin von Innocent Meat feilt in Rostock an einer Technologie, mit der Fleisch aus tierischen Stammzellen erzeugt wird.

"Die Stunde Null": Steaks aus dem Labor: "Ich will unbedingt erreichen, dass Fleisch anders hergestellt wird"

Fleisch aus dem Labor? Klingt wie aus einem Science-Fiction-Film, wird aber in einigen Jahren zu kaufen sein, sagt Laura Gertenbach. Die Mitgründerin von Innocent Meat feilt in Rostock an einer Technologie, mit der Fleisch aus tierischen Stammzellen erzeugt wird.

Die Menschheit müsste weniger Fleisch essen. Diese Botschaft kennen die meisten. Wenn irgendwann mal neun oder zehn Milliarden Menschen auf dem Planeten wohnen, würden wir doppelt so viel Fleisch essen wie heute. Und schon heute haben wir ein Problem: Der Fleischkonsum verursacht große Mengen an Treibhausgasemissionen, verbraucht Fläche und Wasser. Was also tun?

"Ich glaube nicht, dass man mit Verboten und Verzichtsklauseln Menschen erreicht", sagte Laura Gertenbach, Mitgründerin des Rostocker Startups Innocent Meat im Podcast "Die Stunde Null". "Max Mustermann, der jeden Tag bei Lidl oder Rewe sein Fleisch kauft, will nicht verzichten." Die Zahlen, sagte Gertenbach, seien in Deutschland konstant: rund 60 Kilo Fleisch pro Kopf im Jahr. Und überhaupt, seien die Menschen in Schwellenländern noch gar nicht auf den Geschmack gekommen, hier werde der Konsum steigen. 

Deshalb arbeitet sie mit ihrem Co-Gründer Patrick Nonnenmacher an einer Alternative: Sie will Fleisch künstlich herstellen, aus Stammzellen im Labor – kultiviertes Fleisch oder "Clean Meat" genannt. "Ich will unbedingt schaffen, dass Fleisch anders hergestellt wird", sagt sie. "Der Klimaaspekt hat eine große Relevanz für mich, und ich möchte in Zukunft weiter Fleisch essen und keinen Erbsenersatz."

Die 36-Jährige ist in einer Landwirtschaftsfamilie aufgewachsen und hat 2017 Oberlecker, eine Online-Vermarktungsplattform für Biofleischprodukte, gegründet. Dafür hat sie die Schlachtung selbst organisiert und gemerkt, wie "zeitintensiv" und teuer das war. PAID Verbraucherschützer-Interview 1035

Fleisch aus dem Bioreaktor

"Clean Meat" wird aus tierischen Stammzellen gewonnen. "Das geschieht in einem Bioreaktor, im Prinzip wie beim Bier", erklärte Gertenbach. Diese vermehren sich in einer Zellkultur. Anschließend werden sie mit einer Flüssigkeit genährt, eine Art Futter, damit sie sich teilen und zu Muskel- und Fettgewebe wachsen. Das sei die große Herausforderung, so Gertenbach, denn das mache 90 Prozent der Kosten aus. Ihr Ziel ist es, ein Produkt zu entwickeln, das bezahlbar ist, sonst "wird es nicht im Supermarkt landen".

Gertenbach sieht ihr Unternehmen allerdings nicht als Fleischproduzent, sondern als Technologieanbieter. Sie will Produzenten oder Händlern die Technik liefern, selbst kultiviertes Fleisch herstellen zu können. "Unser Ziel ist nicht, Produkte in den Supermarkt zu schicken, sondern die Technologie der Lebensmittelindustrie bereitzustellen nach dem Prinzip 'Plug & Play'", sagte Gertenbach.

Wenn alles nach Plan läuft, will Innocent Meat 2024 erste Demoanlagen haben, und ab Ende 2025 mit der Produktion anfangen. Das Startup, das gerade auf den Campus der Uni Rostock gezogen ist, ist das erste seiner Art in Deutschland. Allerdings gibt es zahlreiche Konkurrenz auf der Welt, vor allem in Israel und in den Vereinigten Staaten. Laut einem Bericht des Good Food Institute gibt es weltweit 76 Firmen, die an künstlichem Fleisch arbeiten, allein 23 sind vergangenes Jahr dazugekommen. Darunter sind das israelische Startup SuperMeat sowie Aleph Farms – ein Hersteller von Laborsteaks – und Future Meat.

Hören Sie in der neuen Folge von "Die Stunde Null":

  • Wie Gertenbachs Eltern – die Landwirte sind – auf ihre Idee reagiert haben
  • Wie ihr Alltag bei Innocent Meat aussieht
  • Warum Innocent Meat auf den Campus der Uni Rostock umgezogen ist

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