Der "Daumen-Runter"-Knopf bei YouTube: Ruhe in Frieden

Die Entfernung des "Daumen-Runter"-Knopfs bei YouTube gehört zu den unsensibelsten Schritten aller Zeiten. Aber er kommt nicht wirklich überraschend, da nach unzähligen Kontroversen klar geworden ist, dass die Plattform Werbeeinnahmen priorisiert und öffentliche Meinungsverschiedenheiten lieber verbirgt.

Der "Daumen-Runter"-Knopf bei YouTube: Ruhe in Frieden

Ein Kommentar von Dmitry Pauk

Die jüngste Entscheidung von YouTube, den "Daumen-Runter"-Knopf für alle seine Videos zu entfernen, scheint ein weiterer Indikator dafür zu sein, dass Kritik, Diskussion und Feedback langsam der Vergangenheit angehören. Alles, um diejenigen zu besänftigen, die eine vollständige Konformität benötigen und jedes Mal in eine hysterische Raserei geraten, wenn jemand mit ihrer Meinung nicht einverstanden ist, ihr Narrativ ablehnt oder auf Fehler in ihrem Denken hinweist.

Die Tatsache, dass Menschen ihre Meinung frei äußern konnten, beschäftigte YouTube offenbar schon seit einiger Zeit. Sie haben Anfang des Jahres zum ersten Mal die Entfernung des "Daumen-Runter" getestet, jetzt aber eine endgültige Entscheidung getroffen. Die Entfernung erfolgt nach und nach, und die negativen Bewertungen unter den Videos werden demnächst verschwunden sein. Der Button selbst wird zwar immer noch da sein, und es wird auch immer noch einen "Daumen hoch"-Button geben, aber die Öffentlichkeit wird nicht in der Lage sein, die Zahl der Abneigungen zu sehen. Auf der anderen Seite können Produzenten diese Informationen weiterhin einsehen, wenn sie dies wünschen.

Aber die Funktion, mit der die Anzahl von Abneigungen erfasst wurde, war mit Sicherheit eine der nützlichsten auf YouTube und unterschied die Plattform von anderen Social-Media-Webseiten, die nur die Zähler "Gefällt mir" und "Teilen" anbieten. Wenn überhaupt, hatte der Zähler tatsächlich die praktische Funktion, Zeit zu sparen. Bevor man sich eine Reihe von Anzeigen ansehen musste, um endlich zu einem Video zu gelangen, das sich als Clickbait-Müll herausstellte, konnte man einfach die Anzahl der Abneigungen überprüfen, um eine Frühwarnung zu erhalten.

Und bei der schieren Menge an Videos auf YouTube, von denen ein großer Teil 20-minütige nutzlose Tutorials mit ohrenbetäubender Musik, "durchgesickerten Trailern" und "Spielfilm"-Uploads mit Links zu zwielichtigen Websites sind, war die Darstellung der Anzahl der Abneigungen ein Segen Gottes. Sie ermöglichte den Usern auch, die Wahrhaftigkeit eines Inhaltsproduzenten zu beurteilen. Wenn ein Video einen Clickbait-Titel wie "Die Wahrheit über …" hatte, verriet die Anzahl der Abneigungen schnell, dass der Autor es mit der Wahrheit nicht ganz so genau genommen hatte.

Nicht angesehene Videos bedeuten jedoch auch nicht angesehene Werbung, und das ist ein Umsatzverlust für Google, zu dem YouTube gehört. Jetzt muss ein User also tatsächlich das Ganze durchstehen oder die Kommentare durchlesen (sofern diese überhaupt aktiviert sind), bevor er feststellt, dass er seine Zeit verschwendet hat. 

YouTube sagt, dass es die Anzeige für die Abwertungen entfernt hat, um angeblich "kleinere Kanäle vor Abneigungsangriffen zu schützen". Aber im Ernst, wen wollen die auf den Arm nehmen? YouTube selbst hat mit seinem Algorithmus und seinem Shadowbanning persönlich mehr Kanäle lahmgelegt, als das jeder orchestrierte Abneigungsangriff jemals vermöchte. Und die einzigen Leute, die über die Entfernung des Buttons glücklich zu sein scheinen, sind offenbar jene Leute, die nicht in der Lage sind, mit JEDER Art von Debatte oder widersprüchlichen Standpunkten umzugehen. Aber die Frage ist: Wenn Sie mit dem Drücken eines Daumen-nach-unten-Symbols nicht umgehen können, warum sollten sie dann überhaupt etwas veröffentlichen, das die Öffentlichkeit sehen kann? Nur um das eigene Ego zu streicheln? Das würde zumindest erklären, warum diese Leute einen Gefällt-mir-nicht-Button mit "Mobbing und Belästigung" gleichsetzen.

Obwohl einige Leute dem Schritt von YouTube applaudierten, war die überwältigende Resonanz auf die Entscheidung äußerst negativ. Nutzer und Macher baten die Plattform, die Entscheidung rückgängig zu machen. Angesichts der jüngsten Kontroversen ist jedoch ziemlich klar geworden, dass YouTube sich nicht so sehr um seine Nutzer oder Produzenten kümmert. Denn der größte Nutznießer dieses Schritts ist YouTube selbst, das mit seinem "YouTube Rewind 2018" immer noch den Rekord für das unbeliebteste Video auf der Plattform hält und damit bisher erstaunliche 19 Millionen Abneigungen gesammelt hat.

Mit der billigen Ausrede, den Kanal des kleinen Mannes zu beschützen, hat YouTube sich selbst und diejenigen, mit denen es verkehrt, effektiv vor einer der letzten verbleibenden Darstellungen öffentlicher Missbilligung geschützt. Denn egal ob es sich um die neueste Rede von Biden handelt, oder die neueste Werbung mit der Botschaft eines woken Unternehmens, die eine progressive Ideologie verkündet – diese Videos haben sich als einige der auf der Plattform am meisten abgelehnten erwiesen. Das Entfernen der Abneigungszählung in diesem Zusammenhang bedeutet nun buchstäblich das Verbergen von Massendissens. 

Und es überrascht nicht, dass die Reaktion der Öffentlichkeit auf die Entscheidung von Google überwältigend negativ zu sein scheint. Wobei viele dies als einen weiteren Grund anführen, dass sie es kaum erwarten können, die Plattform zu verlassen. Während YouTube im Wesentlichen immer noch ein Monopol auf das Teilen von Videos besitzt, gibt es nach wie vor einige aufstrebende Plattformen (DTube, Rumble, Odysee usw.), die den Technologieriesen in naher Zukunft möglicherweise herausfordern könnten. Aber leider haben sie noch einen langen Weg vor sich, so dass die Nutzer bis dahin nur die Kommentare (die nicht gelöscht wurden) lesen müssen, um die öffentliche Meinung zu einem YouTube-Video zu beurteilen.

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Dmitry Pauk ist Reporter bei RT International.

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