Australien: Mann verklagt TV-Sender, weil er fälschlich als Kindesentführer dargestellt wurde

Der Fall ging um die Welt: Ein Mann hatte die vierjährige Cleo Smith aus einem Zelt entführt. Ein großer Fernsehsender hatte allerdings Bilder des falschen Mannes ausgestrahlt und ihn als Verdächtigen bezeichnet. Dieser will den Sender nun verklagen.

Australien: Mann verklagt TV-Sender, weil er fälschlich als Kindesentführer dargestellt wurde

Der Fall ging um die Welt: Ein Mann hatte die vierjährige Cleo Smith aus einem Zelt entführt. Ein großer Fernsehsender hatte allerdings Bilder des falschen Mannes ausgestrahlt und ihn als Verdächtigen bezeichnet. Dieser will den Sender nun verklagen.

Die Entführung der vierjährigen Cleo Smith in Australien hielt die ganze Nation in Atem – und machte rund um die Welt Schlagzeilen. Das Mädchen wurde bei einem Campingausflug aus einem Zelt entführt. 18 Tage dauerte die Suche nach ihr an, bis die Polizei sie am 3. November allein in einem Haus im Westen des Landes fand.

Die Ermittler*innen haben daraufhin einen Mann namens Terence Kelly wegen ihrer Entführung angeklagt.

Kurz nach der Verhaftung strahlte der australische Fernsehsender "Seven" Bilder des mutmaßlichen Entführers aus. Auch in Online-Artikeln wurden Bilder des Mannes verwendet. Social-Media-Beiträge enthielten die Überschrift "IM BILD: Der Mann, der beschuldigt wird, Cleo Smith entführt zu haben".STERN PAID Gondelabsturz Entführung 6-Jähriger Italien, 18.55

Sender nutzt ungefragt Facebook-Bilder und entschuldigt sich

Doch es gab ein großes Problem: Der Mann auf den Fotos war gar nicht der Entführer. Es waren die Bilder von Terrance Flowers, die im ganzen Land verbreitet wurden. Wie konnte es zu diesem Fehler kommen?

Nachdem Cleo gefunden worden war, hatte "Seven" ohne Flowers Zustimmung vier Fotos seines Facebook-Profils gezeigt – wo er den Mädchennamen seiner Mutter Kelly benutzte, wie der britische Sender BBC berichtet. Auch der Vorname wird anders geschrieben. Die Fotos, die Seven benutzte, seien die ersten gewesen, die von dem vermeintlichen Entführer an die Öffentlichkeit gelangten. "Er hatte damit nichts zu tun und war in dem Fall nie ein Verdächtiger", sagten seine Anwälte.

Der Sender sei noch am Tag der Veröffentlichung auf seinen Fehler aufmerksam gemacht worden, woraufhin die Fotos "sofort entfernt" wurden. Am darauffolgenden Tag veröffentlichte Seven eine Entschuldigung:

"Am 3. November verwendete Seven Facebook-Fotos von Herrn Terrance Kelly, auch bekannt als Terrance Flowers, (…) in einem Bericht über die Verhaftung eines anderen Mannes mit ähnlichem Namen im Zusammenhang mit der Entführung von Cleo Smith. Wir haben einen Fehler gemacht.

Herr Kelly, selbst frischgebackener Vater, war in keiner Weise mit Cleos Entführung verbunden und seine Facebook-Fotos hätten nicht verwendet werden dürfen. Seven entschuldigt sich vorbehaltlos bei Herrn Kelly und seiner Familie für das dadurch entstandene Leid."True Crime: Diese Bücher wirst du nicht so schnell beiseite legen 10.15

Flowers leidet unter den falschen Anschuldigungen

Doch diese Entschuldigung reicht Terrance Flowers nicht. Er klagt nun gegen den Sender. Seine Anwälte sagten, Seven habe ihn und seinen Ruf erheblich verletzt, indem man ihn als Hauptverdächtigen falsch dargestellt habe, wie die BBC weiter berichtet. Die Veröffentlichung habe ihm und seiner Familie erhebliches Leid bereitet. Die Auswirkungen dieses Fehlers seien verheerend gewesen.

"Die Veröffentlichungen des Seven Network haben dazu geführt, dass Herr Flowers in der ganzen Nation und auf der ganzen Welt zum Hassobjekt gemacht wurde und dazu führte, dass er mit einer schweren Panikattacke ins Krankenhaus eingeliefert wurde", sagten seine Anwälte demnach.

Kurz nach dem verheerenden Fehler sprach der 27-Jährige mit "Ngaarda Media" über sein Erlebnis. "Meine Schwester hat mich angerufen und mir gesagt, dass sie mein Foto für die Person benutzt haben, die das Mädchen entführt hat." Als er sein Foto in einem Social-Media-Beitrag sah, sei er zur örtlichen Polizeistation gegangen, um Hilfe zu erhalten.

Fall Cleo Smith: Anwälte wollen Gerechtigkeit für Flowers

Später habe er seine Fotos wieder im Internet gesehen. "Wir haben es auf Channel 7 und auf der Sunrise-Seite gesehen. Ich habe mich aufgeregt und bin zurück in die Polizeistation gegangen", sagte er. "Am Ende wurde ich noch wütender und hatte eine Panikattacke auf der Polizeistation." Flowers musste daraufhin in einem Krankenhaus behandelt werden. Die Medien hätten ihre Arbeit richtig machen sollen, so Flowers. "Das ist nicht akzeptabel."

Die Zeitung "Brisbane Times" berichtete, dass Flowers Drohungen nach den falschen Fotos erhalten habe. Flowers sagte, er habe Angst, sein Haus allein zu verlassen, da er von Leuten auf der Straße angesprochen wurde, die ihn für den Angeklagten hielten, und ihn fragten, was er mit Cleo vorhabe und ob er vorhabe, sie zu töten. "Ich hatte große Angst um mein Leben."

"Wenn ich das Haus verlasse, habe ich den Gedanken im Hinterkopf, dass mich jemand anhält und mich bedroht oder sogar angreift", berichtete der 27-Jährige.

Flowers möchte, dass Seven in Zukunft professioneller werde. Denn die ungenügenden Recherchen hätten Auswirkungen auf ihn und seine kleine Familie. Seine Anwälte wollen, dass ihrem Mandanten Gerechtigkeit widerfährt und bitten die Öffentlichkeit, die Privatsphäre von ihm und seiner Familien zu respektieren.

Quellen: BBC, Seven, "Ngaarda Media", "Brisbane Times","The Guardian"