700 Jahre Wurstgeschichte: Museum der Nürnberger Bratwurst eingeweiht

Die Nürnberger Rostbratwurst zählt bereits seit Jahrhunderten als gastronomisches Markenzeichen Nürnbergs. Die Feinkost ist inzwischen weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt. Nun hat die Fleischdelikatesse auch ein eigenes Museum bekommen.

700 Jahre Wurstgeschichte: Museum der Nürnberger Bratwurst eingeweiht

Ob beim Grillen, auf dem Volksfest oder im Stadion – die kleinste Bratwurst Deutschlands gehört generell für viele Deutsche einfach dazu. 2,7 Kilogramm verspeisen die Menschen hierzulande nach Angaben des Deutschen Fleischer-Verbands durchschnittlich pro Kopf im Jahr. Ein Wert, der trotz des Trends zu ausgewogenerer und fleischloser Ernährung in den vergangenen Jahren stabil geblieben sei.

Die Auswahl ist dabei groß, was Reinhard von Stoutz, einem Vertreter des Verbands, zufolge auf die Kultur des Fleischerhandwerks zurückzuführen sei. Diese habe zu Bratwurstspezialitäten in nahezu jeder Region geführt. Bratwürste gibt es in allerlei Größen, grob oder fein, auf Kohle gegrillt oder aus der Pfanne und mit den unterschiedlichsten Zutaten: neben Fleisch gehören dazu Kräuter und Gewürze. Auch Käse, Wein, Schnaps und Schokolade finden sich mitunter in der Füllung.

Der Spielraum für Experimente ist bei der Nürnberger Rostbratwurst allerdings begrenzt. Genau wie die Thüringer Rostbratwurst steht sie seit 2003 unter dem besonderen Schutz der EU – und reiht sich damit unter Delikatessen wie Champagner und Parmaschinken ein.

Seitdem darf sich nur eine Bratwurst "Nürnberger" nennen, wenn sie in Nürnberg hergestellt wurde. Sie muss sieben bis neun Zentimeter lang sein und 20 bis 25 Gramm wiegen. Das sei historisch zwar nicht belegt, sagt Rainer Heimler vom Schutzverband Nürnberger Bratwürste. "Was aber gesichert ist, ist die Rezeptur." Typisch für die mittelgrobe Wurst aus Schweinefleisch sei die Majoran-Note, die man immer rausschmecken müsse, egal welche Gewürze verwendet würden.

All das erfährt man seit Freitag im neuen Bratwurstmuseum in der Nürnberger Altstadt. Es wurde von dem Schutzverband gegründet und ist nach dem Bratwurstmuseum im thüringischen Mühlhausen das zweite in Deutschland, in dem es um die Wurst geht. Auf 100 Quadratmetern kann man dort mehr als 700 Jahre Wurstgeschichte erleben und sich über Herstellung und Rezeptur informieren – anhand von Schautafeln, Bildschirmen und Exponaten.

Den unverwechselbaren Geschmack der traditionellen deutschen Kost kann man in den Ausstellungsräumen des Museums allerdings nicht genießen. Eine echte Bratwurst gibt es für Besucherinnen und Besucher nur in einer der nahe gelegenen Bratwurstküchen zum Verzehr. Bis dahin müssen sie sich mit einer Videoinstallation des Museums begnügen, die Bratwürste auf einem Grill zeigt.

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(rt/dpa)